Wenn das Buch den Autor prägt

Am Anfang eines neuen Buchprojektes steht immer ein Thema das mir sehr am Herzen liegt und von dem ich das Gefühl habe, dass ich etwas zu dessen tieferen Verständnis beitragen kann. Und obwohl ich das Buch schreibe, bin ich mir sehr deutlich bewusst, dass das Buch und dessen Themen auch mein Leben umgestaltet. Es ist ein bisschen wie Kinder kriegen: Du prägst sie, aber sie verändern auch dich. Und wie bei Kinder kriegen, kann man sich nie genug vorbereiten. Jedes Buch führt mich weit über meine Komfortzone hinaus und ich muss weit über mich hinauswachsen in diesem Prozess.
Irgendwie bin ich immer mein eigenes Versuchskaninchen, weil ich nochmals auf einer tieferen Ebene als zuvor das selbst durchlebe worüber ich schreibe. „Herzenswege“ hat mich mehr gewandelt, als alles was ich zuvor erlebte und ich stelle fest, wie schwierig es ist diejenige zu präsentieren, die ich auf diesem Weg geworden bin.

Mit meinem Herzensweg waren bei mir auch einige reale Reisen verbunden. Wer wirklich zu verreisen versteht, sich tief auf eine fremde Kultur einlässt und für diese wirklich öffnet, versteht, wie schwierig es ist den daheimgebliebenen Lieben zu vermitteln, was man erlebt hat und wie dies das eigene Sein umgestaltete. So geht es auch mir.
Ich habe mich in den letzten zwei Jahren mir selbst mehr angenähert als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Ich weiss, dass ich es denen die diese Erfahrungen nicht gemacht haben, niemals völlig erklären kann wer ich wurde. Eine meiner Reisegefährtinnen hat mich aber kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass meine Schwierigkeiten das Buch zu beenden und zu veröffentlichen auch mit der Tatsache zu tun hat, dass ich damit nicht länger vermeiden kann, die zu zeigen die wurde. Ich kann nicht länger so tun als sei ich die alte Anja, nur weil meine Umgebung diese vorziehen würde. Ich muss die zeigen die ich jetzt bin. Das ist der vielleicht schwerste, aber auch der schönste Schritt auf dem Herzensweg: Zu sich selbst zu stehen, egal wen oder was man dabei verliert.
Denn eines kann auch auch sagen: Ich habe unendlich viel gewonnen auf diesem Weg. Ich bin ein sehr viel glücklicherer und erfüllterer Mensch geworden, als ich mir jemals habe vorstellen können.
Und genau das ist der Grund warum ich wagen muss dies zu teilen; um den Weg leichter zu machen und all die zu ermutigen, die es auch auf den Weg zu sich selbst zieht. <3 <3 <3

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Israel – Make love not war

Meine diesjährige Urlaubsreise führte mich nach Israel, einem Land das voller scheinbarer Gegensätze ist. Nach meinem Besuch dort sehe ich in diesen aber vor allem eines: Die Vielfalt allen Lebens.

Aufgrund der schwierigen politischen Lage musste ich mir im Vorfeld natürlich eine Menge Scherze über meinen neu erwachten Sinn für Abenteuer-Reisen anhören. Und bei allen Späßen war mir selbst auch nicht so ganz wohl mit meinem Reiseziel. Aber wenn man daheimbleibt, erlebt man ja nichts – und das wäre wirklich schade; also packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg ins heilige Land.

Das war eine Entscheidung, die ich nicht eine Sekunde bereut habe. Denn eines kann ich bereits hier vorwegnehmen: Israel ist, abgesehen von seiner kulturellen und geschichtlichen Rolle, insofern eine Reise wert, weil man das dortige Lebensgefühl niemals von der eigenen Couch aus wird begreifen können.

Wie die meisten Menschen hatte ich meine Meinung über dieses Land, denn in Deutschland ist Israel immer ein Hauptnachrichten-Thema. Bei aller, sicherlich gut recherchierten, Berichterstattung, kann jedoch nichts das eigene persönliche Erleben ersetzen. Der distanzierte Blick aus der Entfernung mag vieles durchaus deutlich erkennen lassen, z. B. die Ungleichbehandlung seiner Bürger und der Wahnsinn des ständigen Unfrieden-Zustandes. Um eine Kultur aber wirklich verstehen zu können, muss man sich jedoch trauen nah heranzugehen.

In Israel kann man auf Schritt und Schritt nur staunen. In meinem ersten Hotel gab es beispielsweise es einen Schabbat-Aufzug, der hält in jedem Stockwerk, damit gläubige Juden an diesem Tag keine Arbeit verrichten (Knöpfe drücken) müssen. Das Problem mit dem Drücken der Knöpfe sorgte auch dafür, dass ich am Schabbat auf meinen heiß geliebten Cappuccino verzichten musste. Dafür habe ich an diesem Tag beim Araber um die Ecke die leckersten Falafel meines Lebens gekostet. Durch die vielen Kulturen, aus denen die Bürger Israels eingewandert sind, ist die israelische Küche von einer sehr großen Vielfalt. Ein Umstand, den ich sehr zu schätzen wusste.

Ich war während des Segens zum Laubhüttenfest inmitten zehntausender Menschen auf dem Tempelberg und habe versucht in dem Gedränge keinen der orthodoxen Juden zu berühren, denen diese Berührung untersagt ist. Nun, auch wenn die ehrliche Absicht da war, war dies ein ehrlich gesagt nahezu unmögliches Unterfangen. Als ein Kind mir auf den Fuß trat und ich mit einem „Autsch“ reagierte, musste ich feststellen, dass sein Vater mich zwar nicht berühren aber grob anschnautzen darf. War definitiv mein Fehler, dass mein ungläubiger Fuß seinem Sohn im Weg war. Ja, wenn die Nerven blank liegen, ist es meist nicht weit her mit aller Heiligkeit, das haben wohl die Anhänger alle Religionsgemeinschaften gemein. Höflichkeit wird in Israel sowieso etwas anders verstanden als hier, manchmal ist durchaus auch Durchsetzungsvermögen gefragt. Wenn man das akzeptieren kann und an gegebener Stelle auch mal zurückschimpft, ohne sich stressen zu lassen, kommt man allerdings gut zurecht.

Wie immer plauderte ich ungeniert und begeistert mit Menschen aller Gesellschaftsschichten und Weltanschauungen, die meinen Weg kreuzten. Ich stieß auf eine Vielfalt an faszinierenden, liebenswerten und interessanten Leuten. Ich suchte das Trennende und das Verbindende. Letztlich beeindruckte und erstaunte mich, dass all die unterschiedlichen Menschen der verschiedenen Gesellschaftsgruppen (und nirgendwo gibt es ein undurchsichtigeres Gewirr an kulturellen Nischen) sich in einem einig waren: „Wir können doch einfach friedlich zusammenleben. Wir alle wollen unseren Lebensunterhalt verdienen und unsere Familien sicher sehen.Ich habe nichts gegen die anderen.“
Die große, überwiegende Mehrheit an Menschen scheint sehr vernünftig und friedlich zu sein. Trotz der stets vorhandenen Spannungen. Allerdings genügen einige wenige Extremisten, um die Mehrheit der konstruktiv denkenden Menschen in einen Ausnahmezustand zu katapultieren.

Denn in der Zeit, als ich dieses Land besuchte und in den Tagen danach eskalierte die Gewalt wieder einmal. Einerseits hatte ich mich in dieses Land und seine Leute verliebt, andererseits war ich froh als ich weder im sicheren Deutschland war. Wir wissen gar nicht, wie gut es uns hier geht, wo wir nicht ständig mit dem Ausbruch von Terror und Gewalt rechnen müssen. Dieser Umstand der ständigen Bedrohung prägt die allgemeine Stimmung in Israel doch gewaltig.

In Israel wurde mir das ganze Ausmaß des grundsätzlichen menschlichen Wahnsinns deutlich bewusst. Das was sich dort tagtäglich wiederholt, ist die Geschichte von Kain und Abel in unendlichen Variationen. Jeder glaubt sich im Recht, aber jenseits aller Rechtfertigungen, bleibt eines ein unumstößlicher Fakt: Wer Gewalt ausübt hat immer Unrecht.
Shalom Israel. Ahava.

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