Israel – Make love not war

Meine diesjährige Urlaubsreise führte mich nach Israel, einem Land das voller scheinbarer Gegensätze ist. Nach meinem Besuch dort sehe ich in diesen aber vor allem eines: Die Vielfalt allen Lebens.

Aufgrund der schwierigen politischen Lage musste ich mir im Vorfeld natürlich eine Menge Scherze über meinen neu erwachten Sinn für Abenteuer-Reisen anhören. Und bei allen Späßen war mir selbst auch nicht so ganz wohl mit meinem Reiseziel. Aber wenn man daheimbleibt, erlebt man ja nichts – und das wäre wirklich schade; also packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg ins heilige Land.

Das war eine Entscheidung, die ich nicht eine Sekunde bereut habe. Denn eines kann ich bereits hier vorwegnehmen: Israel ist, abgesehen von seiner kulturellen und geschichtlichen Rolle, insofern eine Reise wert, weil man das dortige Lebensgefühl niemals von der eigenen Couch aus wird begreifen können.

Wie die meisten Menschen hatte ich meine Meinung über dieses Land, denn in Deutschland ist Israel immer ein Hauptnachrichten-Thema. Bei aller, sicherlich gut recherchierten, Berichterstattung, kann jedoch nichts das eigene persönliche Erleben ersetzen. Der distanzierte Blick aus der Entfernung mag vieles durchaus deutlich erkennen lassen, z. B. die Ungleichbehandlung seiner Bürger und der Wahnsinn des ständigen Unfrieden-Zustandes. Um eine Kultur aber wirklich verstehen zu können, muss man sich jedoch trauen nah heranzugehen.

In Israel kann man auf Schritt und Schritt nur staunen. In meinem ersten Hotel gab es beispielsweise es einen Schabbat-Aufzug, der hält in jedem Stockwerk, damit gläubige Juden an diesem Tag keine Arbeit verrichten (Knöpfe drücken) müssen. Das Problem mit dem Drücken der Knöpfe sorgte auch dafür, dass ich am Schabbat auf meinen heiß geliebten Cappuccino verzichten musste. Dafür habe ich an diesem Tag beim Araber um die Ecke die leckersten Falafel meines Lebens gekostet. Durch die vielen Kulturen, aus denen die Bürger Israels eingewandert sind, ist die israelische Küche von einer sehr großen Vielfalt. Ein Umstand, den ich sehr zu schätzen wusste.

Ich war während des Segens zum Laubhüttenfest inmitten zehntausender Menschen auf dem Tempelberg und habe versucht in dem Gedränge keinen der orthodoxen Juden zu berühren, denen diese Berührung untersagt ist. Nun, auch wenn die ehrliche Absicht da war, war dies ein ehrlich gesagt nahezu unmögliches Unterfangen. Als ein Kind mir auf den Fuß trat und ich mit einem „Autsch“ reagierte, musste ich feststellen, dass sein Vater mich zwar nicht berühren aber grob anschnautzen darf. War definitiv mein Fehler, dass mein ungläubiger Fuß seinem Sohn im Weg war. Ja, wenn die Nerven blank liegen, ist es meist nicht weit her mit aller Heiligkeit, das haben wohl die Anhänger alle Religionsgemeinschaften gemein. Höflichkeit wird in Israel sowieso etwas anders verstanden als hier, manchmal ist durchaus auch Durchsetzungsvermögen gefragt. Wenn man das akzeptieren kann und an gegebener Stelle auch mal zurückschimpft, ohne sich stressen zu lassen, kommt man allerdings gut zurecht.

Wie immer plauderte ich ungeniert und begeistert mit Menschen aller Gesellschaftsschichten und Weltanschauungen, die meinen Weg kreuzten. Ich stieß auf eine Vielfalt an faszinierenden, liebenswerten und interessanten Leuten. Ich suchte das Trennende und das Verbindende. Letztlich beeindruckte und erstaunte mich, dass all die unterschiedlichen Menschen der verschiedenen Gesellschaftsgruppen (und nirgendwo gibt es ein undurchsichtigeres Gewirr an kulturellen Nischen) sich in einem einig waren: „Wir können doch einfach friedlich zusammenleben. Wir alle wollen unseren Lebensunterhalt verdienen und unsere Familien sicher sehen.Ich habe nichts gegen die anderen.“
Die große, überwiegende Mehrheit an Menschen scheint sehr vernünftig und friedlich zu sein. Trotz der stets vorhandenen Spannungen. Allerdings genügen einige wenige Extremisten, um die Mehrheit der konstruktiv denkenden Menschen in einen Ausnahmezustand zu katapultieren.

Denn in der Zeit, als ich dieses Land besuchte und in den Tagen danach eskalierte die Gewalt wieder einmal. Einerseits hatte ich mich in dieses Land und seine Leute verliebt, andererseits war ich froh als ich weder im sicheren Deutschland war. Wir wissen gar nicht, wie gut es uns hier geht, wo wir nicht ständig mit dem Ausbruch von Terror und Gewalt rechnen müssen. Dieser Umstand der ständigen Bedrohung prägt die allgemeine Stimmung in Israel doch gewaltig.

In Israel wurde mir das ganze Ausmaß des grundsätzlichen menschlichen Wahnsinns deutlich bewusst. Das was sich dort tagtäglich wiederholt, ist die Geschichte von Kain und Abel in unendlichen Variationen. Jeder glaubt sich im Recht, aber jenseits aller Rechtfertigungen, bleibt eines ein unumstößlicher Fakt: Wer Gewalt ausübt hat immer Unrecht.
Shalom Israel. Ahava.

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Die Nachfahren der Flüchtlinge

Die Nachfahren der Flüchtlinge….sind wir!

Bei der aktuellen Flüchtlingsdebatte wird ein Aspekt immer wieder vergessen: Im Laufe der Geschichte, vor allem hier in Mitteleuropa, haben sich Menschen immer wieder gezwungen gesehen, ihre Heimat zu verlassen und sich an einem anderen Ort anzusiedeln.

Im 19. Jahrhundert sind fast 6 Millionen Deutsche nach Übersee ausgewandert, vor allem in die USA.

Von 1939 bis 1951 wurden mehr als 10% der europäischen Bevölkerung umgesiedelt, vertrieben oder in die Flucht geschlagen – insgesamt mehr als 60 Millionen Menschen.

https://www.kkstiftung.de/files/paket-lernstation7.pdf

Menschen brauchen einen massiven Grund um ihre Heimat zu verlassen. Sie riskieren ihr Leben und das Wohl ihrer Kinder nicht aus einer Laune heraus. Wir sind in Deutschland in der glücklichen Lage, dass endlich eine wirklich lange Zeit des Friedens herrscht. Seit nunmehr 70 Jahren genießen wir diesen in der Geschichte einmaligen Luxus, uns Wohlstand und Sicherheit aufbauen zu können, ohne dass uns Bomben um die Ohren fliegen und unsere Kinder hungern müssen. Das ist ein erhaltenswertes Gut. Wir können stolz auf diese Leistung sein – die aber zum einen nur in Zusammenarbeit mit anderen Nationen möglich war und die zum anderen alles andere als selbstverständlich ist.

Der Balkankrieg in den 90ern hatte mich damals stark erschüttert, weil er für mich überraschend kam und fast vor unserer Haustür stattfand. Das waren keine fremde Barbaren, sondern moderne Menschen in einer schönen Heimat. Die Ortschaften sahen aus wie bei uns.

Aktuell gibt es den Ukrainekonflikt, ebenfalls nur wenige Kilometer von unserer Insel der Glückseeligen entfernt. Frieden und Sicherheit sind ein kostbares Gut.

Die momentan viel diskutierte Flüchtlingsfrage spaltet die Bevölkerung. Dabei sollten alle Menschen, egal welcher politischen Gesinnung, sich in einem einig sein: die Ursache der Flucht ist das eigentliche Problem. Statt gegen Flüchtlinge zu kämpfen, sollten wir für Frieden und Wohlstand eintreten.

Hier aber kommt unsere Doppelmoral zum Vorschein: Der Reichtum Deutschlands beruht u. a. auf der Tatsache, dass unsere kleine Nation an 4. Stelle der weltweiten Waffenexporteure steht. Hinter Riesenstaaten wie USA, Russland und China. Das ist wirklich beschämend. Wir glauben, dass wir Tod und Verderben exportieren können und damit Sicherheit und Wohlstand für uns erschaffen? Das kann und wird nicht funktionieren. Statt also Flüchtlinge anzugreifen, verweigert doch endlich denen die Gefolgschaft, die sie verursachen!

Foto Waffen Flüchtlinge

 

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