NaNoWriMo – Vorbereitungen für die Wortschlacht

Am 01.11., um genau eine Minute nach Mitternacht geht es los: Der NaNoWriMo (National Novel Writing Month) 2015 startet. Hunderttausende Menschen weltweit vereinen sich für einen Monat zu einer verschworenen Gemeinschaft, die nur ein Ziel kennt: die 50.000 Worte schreiben, die einen zum NaNo-Gewinner machen.
Für dieses Ziel geben die Teilnehmer alles. Sie zetteln sogar Kriege an, sogenannte WordWars. Gewinner ist, wer die meisten Worte in einer vereinbarten Zeit schafft.
Die Autoren gehen über Leichen; manche Autoren vergleichen untereinander, wer mehr Menschen literarisch um die Ecke gebracht hat. Wie im echten Leben zählen dabei Einzelschicksale, beispielsweise getötete Kinder oder Welpen mehr als völlig ausgelöschte Landstriche. In nach Ländern bzw. Sprachgruppen unterteilten Forenbereichen diskutiert man über Sinn und Unsinn von Nebenfiguren und die passenden Schauplätze für das angerichtete Grauen. Man überlegt wie man die tragisch Liebenden miteinander vereinen könnte. Oder man erzählt sich Witze und hält sich vom Schreiben ab. Wer jetzt Lust zum Schreiben bekommen hat, kann sich hier anmelden: http://nanowrimo.org/
Und natürlich könnt Ihr mich auch gerne kontaktieren, falls Ihr Orientierungshilfe braucht.

Die teilnehmenden Autoren unterscheiden sich vor allem in einem: Entweder sie sind Plotter, die die gesamte Handlung bis ins kleinste Detail bereits entwerfen oder sie sind intuitive Schreiber, die sich hinsetzen und einfach wild drauflos schreiben. In der Realität existieren natürlich alle möglichen Arten von Zwischentypen.
Obwohl ich eine Vertreterin des intuitiven, freien Schreibens bin, rate ich dennoch dazu sich vorher Gedanken über die wichtigsten Eckpunkte zu machen:
Welche Art von Geschichte will ich schreiben? Auf welche Weise will ich sie erzählen? Sartirischer Zombieroman oder tragisches Weltraumabenteuer?
Die Hauptidee der Geschichte, der Ausgangspunkt, das Ziel der Geschichte und einige wichtige Schlüsselszenen, Wendungen der Geschichte sollte man bereits im Hinterkopf haben. Das hilft, damit man sich unterwegs nicht verirrt.
Dennoch bleibt der Prozess des Schreibens immer auch einer des Entdeckens. Jedes Buch entwickelt während des Entstehungsprozesses eine Art Eigendynamik.
Bücher können sich während des Schreibens als widerspenstig, herausfordernd oder vereinnahmend erweisen, so als besäßen sie eine Seele.

Ansonsten besteht ein wichtiger Teil der Vorbereitungen darin, in den nächsten Tagen die Wäsche zu waschen, die Wohnung aufzuräumen und Vorräte einzukaufen. Während des NaNo´s sind all diese Tätigkeiten unnötige Ablenkungen und Zeitfresser.
Achja, den Freundes- und Verwandtenkreis sollte man noch rechtzeitig benachrichtigen, dass man für Krisen und Kaffeekränzchen gleichermaßen unerreichbar ist. Des Weiteren muss man die genannten Personen darauf vorbereiten, dass diese Anzeichen von Wahnsinn oder Verwahrlosung beim Schriftsteller getrost ignorieren können. Dieser wird am 1. Dezember nach Zimt und Vanille duftend, entspannt lächelnd, unterm Adventskalender auftauchen.

Achja, wer es sich leisten kann sucht sich ein nettes Café zum Schreiben. Davon abgesehen, dass man sich dafür anziehen und die Wohnung verlassen muss (Bewegung hilft gegen absterbende Gliedmaßen), gibt es in Kaffeehäusern Getränke und kleine Speisen, ohne dass man für deren Zubereitung wertvolle Zeit verlieren oder anschließend um Geschirrberge herum Slalom laufen müsste. Ich habe keine Ahnung voran es liegt, aber die Kombination aus Kaffeearoma und kommenden und gehenden Menschen aktiviert Kreativitätsneuronen im Gehirn des Autors. Und nein, diese wurden bisher noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Sie entsprechen jedoch dem ersten Gesetz der Krea-Existential-Gleichung: „Wenn ich es beschreiben kann, dann existiert es auch!“

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Israel – Make love not war

Meine diesjährige Urlaubsreise führte mich nach Israel, einem Land das voller scheinbarer Gegensätze ist. Nach meinem Besuch dort sehe ich in diesen aber vor allem eines: Die Vielfalt allen Lebens.

Aufgrund der schwierigen politischen Lage musste ich mir im Vorfeld natürlich eine Menge Scherze über meinen neu erwachten Sinn für Abenteuer-Reisen anhören. Und bei allen Späßen war mir selbst auch nicht so ganz wohl mit meinem Reiseziel. Aber wenn man daheimbleibt, erlebt man ja nichts – und das wäre wirklich schade; also packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg ins heilige Land.

Das war eine Entscheidung, die ich nicht eine Sekunde bereut habe. Denn eines kann ich bereits hier vorwegnehmen: Israel ist, abgesehen von seiner kulturellen und geschichtlichen Rolle, insofern eine Reise wert, weil man das dortige Lebensgefühl niemals von der eigenen Couch aus wird begreifen können.

Wie die meisten Menschen hatte ich meine Meinung über dieses Land, denn in Deutschland ist Israel immer ein Hauptnachrichten-Thema. Bei aller, sicherlich gut recherchierten, Berichterstattung, kann jedoch nichts das eigene persönliche Erleben ersetzen. Der distanzierte Blick aus der Entfernung mag vieles durchaus deutlich erkennen lassen, z. B. die Ungleichbehandlung seiner Bürger und der Wahnsinn des ständigen Unfrieden-Zustandes. Um eine Kultur aber wirklich verstehen zu können, muss man sich jedoch trauen nah heranzugehen.

In Israel kann man auf Schritt und Schritt nur staunen. In meinem ersten Hotel gab es beispielsweise es einen Schabbat-Aufzug, der hält in jedem Stockwerk, damit gläubige Juden an diesem Tag keine Arbeit verrichten (Knöpfe drücken) müssen. Das Problem mit dem Drücken der Knöpfe sorgte auch dafür, dass ich am Schabbat auf meinen heiß geliebten Cappuccino verzichten musste. Dafür habe ich an diesem Tag beim Araber um die Ecke die leckersten Falafel meines Lebens gekostet. Durch die vielen Kulturen, aus denen die Bürger Israels eingewandert sind, ist die israelische Küche von einer sehr großen Vielfalt. Ein Umstand, den ich sehr zu schätzen wusste.

Ich war während des Segens zum Laubhüttenfest inmitten zehntausender Menschen auf dem Tempelberg und habe versucht in dem Gedränge keinen der orthodoxen Juden zu berühren, denen diese Berührung untersagt ist. Nun, auch wenn die ehrliche Absicht da war, war dies ein ehrlich gesagt nahezu unmögliches Unterfangen. Als ein Kind mir auf den Fuß trat und ich mit einem „Autsch“ reagierte, musste ich feststellen, dass sein Vater mich zwar nicht berühren aber grob anschnautzen darf. War definitiv mein Fehler, dass mein ungläubiger Fuß seinem Sohn im Weg war. Ja, wenn die Nerven blank liegen, ist es meist nicht weit her mit aller Heiligkeit, das haben wohl die Anhänger alle Religionsgemeinschaften gemein. Höflichkeit wird in Israel sowieso etwas anders verstanden als hier, manchmal ist durchaus auch Durchsetzungsvermögen gefragt. Wenn man das akzeptieren kann und an gegebener Stelle auch mal zurückschimpft, ohne sich stressen zu lassen, kommt man allerdings gut zurecht.

Wie immer plauderte ich ungeniert und begeistert mit Menschen aller Gesellschaftsschichten und Weltanschauungen, die meinen Weg kreuzten. Ich stieß auf eine Vielfalt an faszinierenden, liebenswerten und interessanten Leuten. Ich suchte das Trennende und das Verbindende. Letztlich beeindruckte und erstaunte mich, dass all die unterschiedlichen Menschen der verschiedenen Gesellschaftsgruppen (und nirgendwo gibt es ein undurchsichtigeres Gewirr an kulturellen Nischen) sich in einem einig waren: „Wir können doch einfach friedlich zusammenleben. Wir alle wollen unseren Lebensunterhalt verdienen und unsere Familien sicher sehen.Ich habe nichts gegen die anderen.“
Die große, überwiegende Mehrheit an Menschen scheint sehr vernünftig und friedlich zu sein. Trotz der stets vorhandenen Spannungen. Allerdings genügen einige wenige Extremisten, um die Mehrheit der konstruktiv denkenden Menschen in einen Ausnahmezustand zu katapultieren.

Denn in der Zeit, als ich dieses Land besuchte und in den Tagen danach eskalierte die Gewalt wieder einmal. Einerseits hatte ich mich in dieses Land und seine Leute verliebt, andererseits war ich froh als ich weder im sicheren Deutschland war. Wir wissen gar nicht, wie gut es uns hier geht, wo wir nicht ständig mit dem Ausbruch von Terror und Gewalt rechnen müssen. Dieser Umstand der ständigen Bedrohung prägt die allgemeine Stimmung in Israel doch gewaltig.

In Israel wurde mir das ganze Ausmaß des grundsätzlichen menschlichen Wahnsinns deutlich bewusst. Das was sich dort tagtäglich wiederholt, ist die Geschichte von Kain und Abel in unendlichen Variationen. Jeder glaubt sich im Recht, aber jenseits aller Rechtfertigungen, bleibt eines ein unumstößlicher Fakt: Wer Gewalt ausübt hat immer Unrecht.
Shalom Israel. Ahava.

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Nicht normal!

Ich bin schon mein ganzes Leben lang nicht normal gewesen. Zumindest wurde und wird mir das vielfach von meiner Umgebung so mitgeteilt.
Laut Duden kommt das Wort Norm aus dem griechischen und hat seinen Ursprung und seine Bedeutung vom (rechten) Winkelmaß. Eine Norm ist eine Regel, Richtlinie. Vor allem in technischen Bereichen machen Normen durchaus Sinn. Abweichungen bei der Festlegung wie lang ein cm ist, können hier zu gefährlichen Fehlern führen. Ein Problem bekommen wir, wenn wir diese Normen in alle Lebensbereiche übertragen, überall Regeln aufstellen und Abweichungen versuchen auszumerzen. Denn wer stellt die Regeln auf und wer wagt sie wieder aufzuheben?

Als Kind war ich z. B. das größte Mädchen in der Klasse. Mädchen hatten aber nicht groß zu sein, damals zumindest. Heute ist das nicht mehr ungewöhnlich. Damals wurde ich übel gehänselt. Ebenso als ich eine Brille tragen musste – die ist heute ein modisches Accessoire.

Ich bin jung Mutter geworden, als einzige im Freundeskreis war ich für einen kleinen Menschen verantwortlich und dessen Kleidung wichtiger als meine. Nicht normal.
Im Kreis der anderen Mütter dagegen langweilte ich mich oft tierisch, wenn frau die korrekte Windelmarke ausdiskutierte. Ich hatte da wenig Gesprächsbedarf, denn mein Maßstab war die empfindsame Haut meines Kindes und das begrenzte Haushaltsbudget. Diese Regel war nicht für alle übertragbar, also machte ich keine daraus. Die anderen Mütter schon – stundenlang wurde diskutiert, um die „richtige“ Windel festzustellen. Das gleiche geschah mit Kleidung, Spielzeug und Babynahrung. Für alles wurde eine Norm entwickelt, die per Gruppenzwang das Maß der Dinge darstellte.
Artikel aus dem Spiegel oder anderes zeitgenössisches Geschehen, die ich hingegen für diskussionswürdig hielt, interessierten die anderen Muttis kein bisschen. Meiner Tochter die nötigen Sozialkontakte zu verschaffen, nötigte mir in diesen Jahren einiges ab. Nicht normal zu sein ist wirklich anstrengend.
Genau so entstehen im zwischenmenschlichen Bereich Normen nämlich: Durch die Vorgaben der vermeintlichen Mehrheit. Oft sind es auch nur die, die am vehementesten auftreten. Diese geben den Maßstab vor, an den sich alle brav halten – wenn sie dazugehören wollen.
Mir ging das zwar genauso, aber es zwar zwecklos, in allen Lebenssituationen habe ich die Norm früher oder später verlassen.

Ich war schon immer vielseitig interessiert, andere Gepflogenheiten und Kulturen finde ich spannend – was auch als nicht normal galt. Die deutschen Nachbarn schauten mich schief an, wenn türkische Frauen bei mir ein und ausgingen. Mein Kind war ebenfalls international verbandelt und musste folglich gar mit den Fäusten die milchkaffee-hautfarbige Spielkameradin vor den Nachbarsjungen verteidigten, mit denen meine Tochter sonst üblicherweise Fußball spielte. Die Verprügelten waren übrigens Italiener. Rassismus ist ja kein deutsches Privileg, auch wenn dieser mal die mörderische Norm in Deutschland war.
Meine türkischen Freundinnen konnten hingegen nie verstehen wieso ich ständig die Nase in einem Buch stecken hatte und keinerlei Interesse für Handarbeit entwickelte. Für diese war ich auch nicht normal.

An meinen Arbeitsplätzen war ich oft stärker engagiert als der Rest, was ebenfalls als nicht normal galt und mir keineswegs Freunde unter Kollegen verschaffte. Ich hingegen fand es bescheuert, meine Lebenszeit sinnlos zu vertrödeln. Wenn ich schon mal da bin, kann ich auch genauso gut was arbeiten.

Auf einer Fachtagung der Finanzbranche hatte ich die interessanteste Unterhaltung in der Rauchpause. Und zwar mit der Putzfrau am Hinterausgang.

Für die Linken hatte ich zu viel mit Geld zu tun.

Für die Geldmenschen war ich ein idealistischer Träumer.

Für die Ökos war ich nicht verbissen genug.

Für die idealistischen Träumer zu pragmatisch.

Für die Esos trug ich zu viel schwarz und tanzte mit zu viel Freude zu ACDC.

Für Metalheads bin ich ein Hippie.

Für die Christen war ich zu sehr Wicca.

Für die Wicca zu naturwissenschaftlich.

Für die Physiker zu magisch.

Die Liste ist endlos und wird täglich länger.

Nie entsprach ich der Norm. Immer war ich irgendwie „nicht normal“. Sogar, wenn ich schreibe, bin ich nicht normal. Ich neige zu einer interessanten Satzstellung. Und man darf keine Sätze mit und beginnen. Und mir wurde das irgendwann echt zu viel.

Also schaute ich mich um. Die Norm auf diesem Planeten besteht darin, dass Menschen andere Menschen ausbeuten und unterdrücken. In bestimmten Gegenden ist es normal, die Genitalien von Frauen zu verstümmeln. Eine solche Barbarei gilt als normal und jede Frau, die dazugehören will, muss das ertragen. Eltern müssen das ihren Töchtern antun, wenn sie diese nicht ausgegrenzt sehen wollen.

In meiner Kindheit wurden Kinder noch mit Gegenständen verprügelt, das galt als „normale“ Erziehung.
Als ich 1986 heiratete, ließ die deutsche Rechtsnorm noch die Vergewaltigung in der Ehe zu.
In manchen Ländern werden Menschen misshandelt und getötet, weil sie auf die falsche Weise beten und glauben.
In einigen Ländern wird man verfolgt, wenn man eine eine von der Norm abweichende Liebesbeziehung führt.
Wenn man katholischer Priester, Nonne oder Mönche ist, darf man gar keine körperliche Liebesbeziehung führen – nicht mal zu sich selbst.

Die Norm auf diesem Planeten sind Raub, Hunger, Krieg, Verfolgung und Ungerechtigkeit.

Ehrlich Leute: Ich bin so was von froh, dass ich kein bisschen normal bin! Ich bin jetzt einfach ich selbst.

Die Nachfahren der Flüchtlinge

Die Nachfahren der Flüchtlinge….sind wir!

Bei der aktuellen Flüchtlingsdebatte wird ein Aspekt immer wieder vergessen: Im Laufe der Geschichte, vor allem hier in Mitteleuropa, haben sich Menschen immer wieder gezwungen gesehen, ihre Heimat zu verlassen und sich an einem anderen Ort anzusiedeln.

Im 19. Jahrhundert sind fast 6 Millionen Deutsche nach Übersee ausgewandert, vor allem in die USA.

Von 1939 bis 1951 wurden mehr als 10% der europäischen Bevölkerung umgesiedelt, vertrieben oder in die Flucht geschlagen – insgesamt mehr als 60 Millionen Menschen.

https://www.kkstiftung.de/files/paket-lernstation7.pdf

Menschen brauchen einen massiven Grund um ihre Heimat zu verlassen. Sie riskieren ihr Leben und das Wohl ihrer Kinder nicht aus einer Laune heraus. Wir sind in Deutschland in der glücklichen Lage, dass endlich eine wirklich lange Zeit des Friedens herrscht. Seit nunmehr 70 Jahren genießen wir diesen in der Geschichte einmaligen Luxus, uns Wohlstand und Sicherheit aufbauen zu können, ohne dass uns Bomben um die Ohren fliegen und unsere Kinder hungern müssen. Das ist ein erhaltenswertes Gut. Wir können stolz auf diese Leistung sein – die aber zum einen nur in Zusammenarbeit mit anderen Nationen möglich war und die zum anderen alles andere als selbstverständlich ist.

Der Balkankrieg in den 90ern hatte mich damals stark erschüttert, weil er für mich überraschend kam und fast vor unserer Haustür stattfand. Das waren keine fremde Barbaren, sondern moderne Menschen in einer schönen Heimat. Die Ortschaften sahen aus wie bei uns.

Aktuell gibt es den Ukrainekonflikt, ebenfalls nur wenige Kilometer von unserer Insel der Glückseeligen entfernt. Frieden und Sicherheit sind ein kostbares Gut.

Die momentan viel diskutierte Flüchtlingsfrage spaltet die Bevölkerung. Dabei sollten alle Menschen, egal welcher politischen Gesinnung, sich in einem einig sein: die Ursache der Flucht ist das eigentliche Problem. Statt gegen Flüchtlinge zu kämpfen, sollten wir für Frieden und Wohlstand eintreten.

Hier aber kommt unsere Doppelmoral zum Vorschein: Der Reichtum Deutschlands beruht u. a. auf der Tatsache, dass unsere kleine Nation an 4. Stelle der weltweiten Waffenexporteure steht. Hinter Riesenstaaten wie USA, Russland und China. Das ist wirklich beschämend. Wir glauben, dass wir Tod und Verderben exportieren können und damit Sicherheit und Wohlstand für uns erschaffen? Das kann und wird nicht funktionieren. Statt also Flüchtlinge anzugreifen, verweigert doch endlich denen die Gefolgschaft, die sie verursachen!

Foto Waffen Flüchtlinge

 

Feiere dich und dein Leben

Es ist wirklich absurd. Ständig kritisieren wir uns und andere. Ewig sind wir unzufrieden mit dem, der wir sind und dem, was wir haben. Und im Wort „unzufrieden“ steckt er drin, unser fehlender Seelenfrieden, den wir uns doch eigentlich wünschen.

Solange wir aber hinter allem her hetzen, alles schöner, schneller und effizienter machen wollen, was uns vor die Füße kommt, werden wir diesen inneren Frieden nicht finden können. Ein getriebener Mensch landet höchstens im Burn-out oder bekommt einen Herzinfarkt, aber Frieden wird er erst dann finden, wenn er die scheinbar von außen kommende Bremse im Leben annimmt.

Deshalb, lieber Leser, bitte ich dich: Nimm dir Zeit für dich. Mache einmal einfach gar nichts. Gib dir heute frei. Schau dich und dein Leben an und freue dich an der Schönheit, die du bereits besitzt.
Und jeder von uns besitzt Schönes.
Ich habe mich einmal mit einem Menschen unterhalten, der obdachlos war, von Ort zu Ort zog, absichtlich ohne staatliche Hilfen etc. lebte. Nicht weil er sie nicht hätte bekommen können, sondern weil er nicht bereit gewesen war, sie gegen das höchste Gut, das er besaß, einzutauschen: seine Freiheit. Auf den ersten Blick hätte man meinen können er sei arm gewesen, aber ich betrachtete ihn genau als er mir berichtete, wie er an diesem Tag nicht von einem Wecker, sondern vom Gesang der Vögel aufgeweckt worden sei – und sich wie ein König gefühlt habe. Ich schaute ihm während seiner Schilderung in die Augen und deshalb weiß ich, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Er war an diesem Morgen nicht als Penner, sondern als König erwacht. Und er hatte mir ein Geschenk gemacht, als er seine Sicht der Dinge mit mir teilte.

Nun, ich selbst würde nicht wie dieser Mann leben wollen, dafür schätze ich gewisse Annehmlichkeiten wie ein Dach über den Kopf viel zu sehr, aber wenn dieser Mann sich wie ein König fühlen kann, dann kann es jeder von uns, der dies hier liest.
Es ist gerade Sommer, auch bei dir singen Vögel, Wächst und gedeiht alles. Du hast sogar Strom, sonst könntest du die Zeilen hier nicht lesen. Du wirst Zugang zu Wasser haben, um dich zu erfrischen und zu reinigen.
Egal ob du in einer Villa oder einem kleinen Zimmer sitzt, allein lebst oder Teil einer Großfamilie bist, egal ob du gesund oder krank bist – du kannst den heutigen Tag leben und erleben, er ist einmalig, kostbar, kommt nie wieder – also feiere und würdige ihn.
Nimm einmal, nur für einen einzigen Tag, wahr was du alles besitzt und bist. Kritisiere einmal nicht – weder dich noch andere. Ja, dein Sohn hat sein Zimmer schon wieder nicht aufgeräumt, aber freue dich einfach, dass es ihn gibt. Das wird dich viel reicher, glücklicher und friedvoller machen, als ein aufgeräumtes Zimmer es vermögen.
Vielleicht hat dein Partner letzte Nacht geschnarcht – aber hey, freu dich daran, dass er neben dir atmet und dich schlaftrunken umarmt.
Stell dich vor den Spiegel und schau dir in deine wunderschönen Augen – lach dir zu und wirf dir einen Kuss zu. Es ist toll, wie du all die Probleme in deinem Leben gemeistert hast – prima, dass du dich auf dich selbst verlassen kannst und dir selbst immer zur Seite stehst.
Dein Hintern ist dick? Dann freue dich über die Farbe deiner Haare! Die Haare gefallen dir nicht? Dann bestaune das Funkeln deiner Augen! Hör einmal, wie schön deine Stimme klingt, wie ansteckend dein Lachen ist, wie herzlich dein Lächeln und wie putzig süß oder markant charaktervoll deine Nase.

Wir Menschen werden komplett falsch programmiert. Wir suchen immer nach dem, was noch nicht gut genug ist, an uns und an anderen. Immer fällt uns ein, was wir noch nicht besitzen oder sind.
Ändere das – nur für einen einzigen Tag…und erlebe kleine Wunder an diesem schönen, reichen Tag. Mach ihn dir selbst zum Geschenk.

Die Angst vor Ablehnung als Erfolgsverhinderer

Egal welche Dinge du im Leben gerne erreichen möchtest: Ob du deinen Traumpartner suchst oder dich gerne selbstständig machen möchtest, das, was dich zaudern lässt, ist meist die Angst vor Ablehnung.

Ich habe das bei unglaublich vielen Menschen beobachten können, als auch selbst erfahren. Man verinnerlicht diese Angst so, dass sie völlig selbstverständlich wie ein Teil des eigenen Selbst erscheint und kaum wahrgenommen wird.

Wie bei den meisten Menschen steckte auch bei mir die eigentliche ursprüngliche Wurzel des Problems irgendwo in der früheren Kindheit. Zum damaligen Zeitpunkt hing unser Überleben von unseren Eltern ab. Deshalb hatte das Gefühl der Ablehnung für uns etwas wirklich Lebensbedrohliches an sich. Und tief in unserem Unterbewusstsein ist diese Erfahrung abgespeichert, die heute gar nichts mehr mit unserer Realität zu tun hat.

Aber trotzdem hindert dieses Muster uns daran, mutig voranzuschreiten. Denn wenn die Traumfrau uns einen Korb gibt oder unser potenzieller Geschäftspartner kein Interesse an uns hat, dann wird dieses Muster wieder aktiv. Wir können die Lage nicht nüchtern betrachten, wir haben Angst und dieses Gefühl engt unsere Perspektive ein.
Dadurch sehen wir gar nicht, dass die Ablehnung

1) gar nicht schlimm ist

2) gar nichts über uns aussagt.

1) Sie ist nicht schlimm, weil es da draußen Millionen von potentiellen Liebes- oder Geschäftspartnern gibt. Zu wissen, dass du dich nach einem anderen Kandidaten umschauen mußt, ist sogar gut. Rein rational betrachtet solltest du dir die befürchtete Ablehnung also so schnell wie möglich abholen, damit du keine Zeit verschwendest.

2) Wenn der andere mit dir keine Beziehung eingehen will, sagt das nicht aus, dass du „nicht gut genug“ bist. Der andere passt nicht zu dir. Punkt.

Wenn du so drauf bist, wie ich lange Zeit in meinem Leben, dann denkst du dir bei diesem Punkt vielleicht. „Doch doch, ich bin richtig. Der andere weiß das nur noch nicht.“
Ähm, nein! Definitiv nein!
Wenn der andere zu dir „Nein“ sagt, dann sieht er deine Vorzüge nicht und/oder sie sind für ihn nicht interessant. Und damit sagt er nichts über dich aus, sondern über sich. Dann ist er/sie definitiv verkehrt für dich. Du bist ok, du bist ein wundervoller, liebenswerter und aufregender Mensch, aber dein Gegenüber kann das nicht wahrnehmen. Für ihn/sie passt du einfach nicht. Und dein Gegenüber ist auch ok, aber hat einfach andere Vorstellungen.

Wieso ich das weiß? Weil ich selbst lange und schmerzhaft lernen musste, dass es gar keinen Grund gibt, Angst zu haben und es absolut unnötig ist, bei einem „Nein“ unglücklich zu sein. Wegen meiner frühkindlichen Prägung hatte ich ein echtes Talent darin, absolut zielsicher an die falschen Türen zu klopfen. Denn in mir war immer noch das kleine, traurige, ungeliebte Mädchen, das darauf bestanden hat, von dieser einen Person doch bitte-bitte gemocht zu werden. Und dann wurde mir wieder bestätigt, dass mit mir etwas nicht stimmt.
Bei anderen ist dieses innere Kind nicht traurig, sondern vielleicht wütend oder bockig – aber es ist dein inneres Kind, das dir hier in die Quere kommt.

Ich kann dir nur raten, dich liebevoll mit diesem inneren Kind zu befassen, vielleicht einen Kurs zur Heilung desselben zu besuchen etc. – und dann den erwachsenen Menschen in dir auf den Weg zu schicken, damit du entspannt versuchen kannst, Geschäfts- und Liebeskontakte zu knüpfen.
Denn was wirklich erstaunlich ist: Durch unseren von Angst eingeschränkten Blick können wir die, die gerne mit uns spielen, lieben und arbeiten würden, oft nicht wahrnehmen. Und für jeden von uns gibt es da draußen viele passende Personen, die uns genau so mögen, wie wir sind. Die passen dann auch wirklich zu uns.

Trau dich. Wenn es sogar für mich die passenden Deckel gibt, dann für dich erst recht.

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Zeit ist Geld

Wenn du als Angestellter oder Selbstständiger einen bestimmten Stundenlohn erhältst, kann es sein, dass für dich scheinbar Zeit = Geld ist.
Aber das stimmt natürlich nur bedingt, denn es gibt eine Menge Zeit, für die du normalerweise nicht bezahlt wirst, es sei denn, du schummelst und machst dein Nickerchen während der Arbeitszeit oder rechnest wie so mancher Selbstständige am Tag 28 Stunden Arbeitszeit ab. Beides führt, wenn es auffliegt, jedoch dazu, dass du bald mehr Zeit und weniger Geld hast, weil du ohne Arbeit- bzw. Auftraggeber dasitzt. Damit zeigt sich bereits, dass die Gleichung oft nicht aufgeht.

Es stimmt, dass wir oft unsere Zeit für Geld eintauschen. Aber das macht Zeit nicht zu Geld. Wenn wir genau darüber nachdenken, ist Zeit auch sehr viel kostbarer als Geld. Denn du kannst vielleicht am Samstag im Lotto eine Menge Geld gewinnen oder es erben, aber mehr Lebenszeit kann dir Geld für gewöhnlich nicht verschaffen.
Auch wenn sich reiche Menschen bessere Pflege kaufen können, ist keineswegs gewiss ob sie damit auch mehr Lebenszeit erhalten. Ein immer wieder zitierter Fall war der des Johannes von Thurn und Taxis, der 1990 innerhalb weniger Tage zwei Mal ein Spenderherz transplantiert bekam – ein Schelm wer Böses dabei denkt – was ihm sein Leben aber dennoch nicht retten konnte. Insofern kann kein Geld zu haben vielleicht Lebenszeit kosten, Geld zu besitzen diese Zeit aber nicht unbedingt kaufen.

Ein Film, den ich bereits zwei Mal gesehen habe und den ich wirklich zum Thema empfehlen kann, ist: IN TIME – Deine Zeit läuft ab.
In diesem Film ist Zeit wirklich Geld. Der Film ist unterhaltsam und spannend gemacht; er steckt zugleich voller Kapitalismuskritik und kann uns zu tief greifenden Fragen über unser eigenes Verhältnis zu Zeit und Geld führen, wenn wir das wollen.
Ein sehr interessantes Zitat aus dem Film: „Sein Verbrechen war nicht Zeit zu stehlen, sondern sie zu verschenken.“

Das ist interessant, denn das machen wir viel zu selten. Wir tauschen sie, wie oben bereits erwähnt, gegen Geld. Oft verschwenden wir sie, indem wir Dinge machen, die uns gar nicht wirklich interessieren. Oder wir geben sie genervt und widerwillig her, z. B. beim Warten an der Supermarktkasse oder auf den Feierabend. Deshalb würde ich dich gerne dazu anstiften, heute Zeit einmal versuchsweise ganz bewusst zu verschenken. An einen Menschen, der sich über sie freut und sie zu schätzen weiß. Oder einem glücklichen Fremden. Wem möchtest du gerne zuhören, mit wem etwas unternehmen?

Mach es…und wenn du Glück hast, gelingt dir eine wirklich erstaunliche Entdeckung.

 

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Anja hat einen Drachen

Nein, ich habe keine neue Vorgesetzte, sondern ich habe mir einen Sekretär zugelegt. Aber nicht irgendeinen langweilen, blassen Jüngling, sondern einen Helfer, der zu einer Autorin passt: Einen Drachen.

Diesen hatte ich mir vor ein paar Monaten, gemeinsam mit einem Diktiergerät, zugelegt gehabt. Das Diktiergerät,  ein Olympus VN-731, testete ich auch gleich und war davon begeistert, dass ich jetzt Ideen und Texte festhalten konnte, während ich Gemüse schnippelte oder spülte, ließ aber die Spracherkennungssoftware erst einmal ungenutzt liegen, weil ich der Meinung war, ich hätte gerade keine Zeit, diese auf mich einzurichten. Das war eindeutig ein Fehler.

Denn dann zog ich mir einen Tennisarm zu, was witzig klingt aber wirklich schmerzhaft ist. Obendrein ist der Name irreführend, denn man kann sich das auch durch Aktenordnerweitwurf und exzessive Mausbedienung zuziehen, den üblichen Bürosportarten.

Als ich dann auf Facebook schrieb, dass mein Buchprojekt sich noch mal verzögern würde, antwortete mir eine Autorenkollegin sie habe sich in einem ähnlichen Fall mit der Spracherkennungssoftware „Dragon Naturally Speaking“ weitergeholfen. Genau die, die ich daheim hatte, super.

Immerhin habe ich jetzt diesen Blogartikel fertigstellen können, aber ich kann allen, die sich eine solche Software zulegen, nur raten sie sofort einzurichten. Denn mein kleiner Drache muss mich erst noch richtig verstehen lernen. Er gewöhnt sich an die Aussprache seines Benutzers, indem er es wie wir alle macht: Er lernt durch Fehler. Jedes Mal wenn er korrigiert wird, speichert er das ab. Die Software ist wirklich super, allerdings werde ich eher langfristig vom Drachen profitieren, denn damit mein kleiner Helfer richtig schlau werden kann, muss ich so weit hergestellt sein, dass ich längere Texte korrigieren kann. Er ist zum Beispiel immer noch der Meinung, er arbeite für jemanden, der sich mit Schreinerei beschäftigt. Und anstatt „zu üben“ will er sieben. Sehr witzig.

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Anja als Glückspilz – kulinarisch verwöhnt ins Wochenende

Mein rechter Ellbogen zickt seit gestern herum. Keine Ahnung, wieso er das macht, aber gemeinsam mit den für Freiburg angekündigten 34 Grad empfand ich das als deutliche Aufforderung meines Körpers, früh ins Wochenende zu starten. Und da kochen unter diesen Umständen viel zu schmerzhaft und anstrengend gewesen wäre, habe ich einen Gutschein eingelöst, den ich vor Kurzem bei einem neuen Internetportal meines Stadtteils, dem http://rieselfeld.biz/, gewonnen habe. Wenn Ihr auf den Link geht, seht Ihr mich unter „Die Gewinner der Verlosung vom 09.05.2015“. Die sympathische Dame an meiner Seite ist die Chefin vom „Piazza Italia“, bei der Übergabe des Gutscheins, den ich gewonnen hatte.

Dass ich ausgerechnet einen Gutschein für ihr Lokal gewonnen hatte, freute mich besonders, da ich bereits zuvor in den Genuss ihrer leckeren Küche gekommen war. Das „Piazza Italia“ ist nur einen Block von mir entfernt und ich liebe sowohl Pasta als auch italienisches Eis. Grund dafür dürfte sein, dass meine Mutter eine sehr gute Köchin ist und einige Jahre in Italien gelebt hatte. Zusätzlich hatte ich früher eine sizilianische Schulfreundin. Insofern bin ich ein bisschen anspruchsvoll auf diesem Gebiet.

Ich suchte mir also einen gemütlichen Schattenplatz und die immer gut gelaunte Chefin vom „Piazza Italia“ brachte mir einen leckeren Vorspeisenteller und später sogar noch Pizzabrot, das sie gerade frisch für sich selbst gebacken hatte. Ich fühlte mich nach allen Regeln der Kochkunst verwöhnt und startete strahlend und zufrieden in mein Wochenende. Ich wünsche Euch allen ebenfalls einen tollen Start ins Wochenende, lasst es Euch gut gehen und genießt die schönen Sommertage.

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Die Grenze des Wohlstands – Schweizbesuch

Ich war das letzte Wochenende in der Schweiz. Nein, ich besitze weder ein geheimes Bankkonto noch habe ich das Nachbarland besucht um einen Schokoladen-Großeinkauf zu starten.

Der Grund für meine Reise war viel gewöhnlicher: Ich habe meine Mutter besucht, die in den 80er Jahren der Liebe wegen ins Land der Rösti auswanderte.

Durch diese amouröse Familienverbandelung habe ich in Laufe von 35 Jahren eine Menge Ferien in der Schweiz verbracht und die Schweiz auch aus der Perspektive der normalen Einwohner kennengelernt. Ich kam nah genug um eine Sichtweise jenseits von Klischees einzunehmen und zugleich blieb ich fern genug, um zu staunen und mich zu wundern.

Ich habe vor allem viele Gegensätze erlebt. Einerseits ist der Schweizer Bürger sehr auf die Einhaltung von Normen geeicht. Was die Nachbarn denken und ob der Gehweg ordentlich gefegt ist, ist dem Durchschnittsbürger unendlich wichtig. Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Ordnung sind eidgenössische Grundtugenden. Gegen die Gründlichkeit der Schweizer sind die Deutschen geradezu nachlässig. Andererseits sind die Schweizer oft erstaunlich lax.

Meine Schweizbesuche haben immer wieder wunderliche und gegensätzliche Erlebnisse mit sich gebracht:

Während das korrekte Füllen eines Abfallsacks zur Staatsaffaire mutieren konnte, erlebte ich zugleich bei einem Tagesausflug zum Genfer Flohmarkt, wie arabische Diplomaten aus dem fahrenden Auto mit einer Pistole auf Passanten zielten. Am frühen Morgen in die suchend herumwandernde Mündung einer Waffe zu starren und zu hoffen, der Irre sei nüchtern genug nicht abzudrücken, machte diesen Genfbesuch zum unvergesslichen Morgengrauen.

Das Wahlrecht bekamen Frauen im Kanton Appenzell erst im Jahr 1990. Zugleich konnte man in den 90ern Hanf als „Duftsäckchen“ getarnt in Geschäften kaufen. Bis heute ist der Besitz von Cannabis zwar offiziell illegal, in der Praxis werden Kiffer für gewöhnlich jedoch nicht strafrechtlich verfolgt.

Ich verfolgte die Diskussion um die seitens der Schweizer Banken unterschlagenen Gelder von jüdischen Nazi-Opfern, ein Punkt, an dem sich die öffentliche Meinung in der Schweiz schied. Und ich sah staunend, dass sich mitten in der Nacht an einer WC-Anlage an der Autobahn brav und unangetastet das Geld für die Toilettenfrau auf einem weißen Porzellanteller stapelte. Dieses Land und das Wertebild der Einwohner waren immer wieder erstaunlich für mich.

Wenn ich in der letzten Zeit in die Schweiz fahre, fällt mir auf, wie sehr der Euroraum auch finanziell immer weiter hinter dem Schweizer Wohlstand zurückbleibt. Die Schweiz hatte schon immer bessere Gehälter gezahlt und somit auch höhere Preise gehabt als in Deutschland üblich. Aber die Schere ging seit Einführung des Euros immer mehr auseinander. Lange Zeit hatte die Schweiz das durch die Bindung des Frankens an den Euro ein wenig abgemildert, aber seitdem die Kluft so groß wurde, dass die Schweiz sich genötigt sah, sich abzukoppeln, um nicht selbst unterzugehen, ist der Unterschied, für jemanden der beide Länder schon lange kennt, einfach nur noch enorm.

In der Schweiz fühle ich mich wie sich wahrscheinlich ein Mensch aus der Dritten Welt in Deutschland fühlt: arm. Das bin ich natürlich nicht wirklich, aber in der Schweiz verdient eine Verkäuferin mind. 52.000 Schweizer Franken (CHF), eine Putzhilfe 55.000 CHF, ein Paketzusteller 58.000 CHF und ein Bademeister 68.000 CHF brutto. Wenn man das nach dem aktuellen Kurs umrechnet, dann wären das ein Jahresgehalt von mehr als 50.000€ für eine Verkäuferin oder Putzhilfe und fast 66.000€ für den Bademeister. Und entsprechend hoch sind in der Schweiz auch die Preise für eine Tasse Kaffee am Bahnhof oder die Miete für eine Wohnung. Wenn ich die umgerechneten Löhne mit den realen Löhnen in Deutschland vergleiche, dann verdienen Putzhilfe, Bademeister und Verkäuferinnen hierzulande real vielleicht die Hälfte dessen, was ihre Arbeit in der Schweiz wert ist. Erstaunlich.

Ebenfalls erstaunlich ist, dass ich in der Schweiz gerade Unterschriften gesammelt werden, um einen Volksentscheid in die Wege zu leiten, der die Geschäftsbanken daran hindern soll weiterhin Geld mittels eines Buchungssatzes aus dem Nichts zu erschaffen. Denn das ist in der Schweiz genauso normal wie in den USA oder Deutschland. Wahrscheinlich werden die nötigen Unterschriften für den Schweizer Volksentscheid nicht mehr rechtzeitig zusammenkommen, aber dass dieser Versuch ausgerechnet in der Schweiz gestartet wird, ist wieder einmal typisch für dieses mich immer wieder überraschende Land. Von diesem Versuch die Geldblasenbildung zu stoppen handelte der Leitartikel einer Zeitung, die meine Mutter mir in die Hand drückte, dem Straßenmagazin mit dem sinnigen Namen „Surprise“.

In einem weiteren Artikel dieser Zeitschrift las ich, dass ein Sozialhilfeempfänger in Zürich Schwierigkeiten hat eine Wohnung zu finden, weil diese nur bis zu 1.100Schweizer Franken (CHF) kosten darf, also nach heutigem Wechselkurs 1.065€. Dazu kommen in der Schweiz als Hilfe zum Leben 960,- CHF, das sind umgerechnet 929€. Von zusammen 2.000€ im Monat für Unterkunft und Verpflegung kann ein alleinstehender ALG II-Empfänger in Deutschland nicht einmal träumen, denn er erhält nicht einmal die Hälfte, was ja auch wieder den hier gezahlten hälftigen Löhnen entspricht. Aber mit diesem Artikel wurde mir noch einmal bewusst wie gewaltig die (Wohlstands-) Grenze ist, die ich am Wochenende zweimal überquert habe.

 

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