NaNoWriMo – Vorbereitungen für die Wortschlacht

Am 01.11., um genau eine Minute nach Mitternacht geht es los: Der NaNoWriMo (National Novel Writing Month) 2015 startet. Hunderttausende Menschen weltweit vereinen sich für einen Monat zu einer verschworenen Gemeinschaft, die nur ein Ziel kennt: die 50.000 Worte schreiben, die einen zum NaNo-Gewinner machen.
Für dieses Ziel geben die Teilnehmer alles. Sie zetteln sogar Kriege an, sogenannte WordWars. Gewinner ist, wer die meisten Worte in einer vereinbarten Zeit schafft.
Die Autoren gehen über Leichen; manche Autoren vergleichen untereinander, wer mehr Menschen literarisch um die Ecke gebracht hat. Wie im echten Leben zählen dabei Einzelschicksale, beispielsweise getötete Kinder oder Welpen mehr als völlig ausgelöschte Landstriche. In nach Ländern bzw. Sprachgruppen unterteilten Forenbereichen diskutiert man über Sinn und Unsinn von Nebenfiguren und die passenden Schauplätze für das angerichtete Grauen. Man überlegt wie man die tragisch Liebenden miteinander vereinen könnte. Oder man erzählt sich Witze und hält sich vom Schreiben ab. Wer jetzt Lust zum Schreiben bekommen hat, kann sich hier anmelden: http://nanowrimo.org/
Und natürlich könnt Ihr mich auch gerne kontaktieren, falls Ihr Orientierungshilfe braucht.

Die teilnehmenden Autoren unterscheiden sich vor allem in einem: Entweder sie sind Plotter, die die gesamte Handlung bis ins kleinste Detail bereits entwerfen oder sie sind intuitive Schreiber, die sich hinsetzen und einfach wild drauflos schreiben. In der Realität existieren natürlich alle möglichen Arten von Zwischentypen.
Obwohl ich eine Vertreterin des intuitiven, freien Schreibens bin, rate ich dennoch dazu sich vorher Gedanken über die wichtigsten Eckpunkte zu machen:
Welche Art von Geschichte will ich schreiben? Auf welche Weise will ich sie erzählen? Sartirischer Zombieroman oder tragisches Weltraumabenteuer?
Die Hauptidee der Geschichte, der Ausgangspunkt, das Ziel der Geschichte und einige wichtige Schlüsselszenen, Wendungen der Geschichte sollte man bereits im Hinterkopf haben. Das hilft, damit man sich unterwegs nicht verirrt.
Dennoch bleibt der Prozess des Schreibens immer auch einer des Entdeckens. Jedes Buch entwickelt während des Entstehungsprozesses eine Art Eigendynamik.
Bücher können sich während des Schreibens als widerspenstig, herausfordernd oder vereinnahmend erweisen, so als besäßen sie eine Seele.

Ansonsten besteht ein wichtiger Teil der Vorbereitungen darin, in den nächsten Tagen die Wäsche zu waschen, die Wohnung aufzuräumen und Vorräte einzukaufen. Während des NaNo´s sind all diese Tätigkeiten unnötige Ablenkungen und Zeitfresser.
Achja, den Freundes- und Verwandtenkreis sollte man noch rechtzeitig benachrichtigen, dass man für Krisen und Kaffeekränzchen gleichermaßen unerreichbar ist. Des Weiteren muss man die genannten Personen darauf vorbereiten, dass diese Anzeichen von Wahnsinn oder Verwahrlosung beim Schriftsteller getrost ignorieren können. Dieser wird am 1. Dezember nach Zimt und Vanille duftend, entspannt lächelnd, unterm Adventskalender auftauchen.

Achja, wer es sich leisten kann sucht sich ein nettes Café zum Schreiben. Davon abgesehen, dass man sich dafür anziehen und die Wohnung verlassen muss (Bewegung hilft gegen absterbende Gliedmaßen), gibt es in Kaffeehäusern Getränke und kleine Speisen, ohne dass man für deren Zubereitung wertvolle Zeit verlieren oder anschließend um Geschirrberge herum Slalom laufen müsste. Ich habe keine Ahnung voran es liegt, aber die Kombination aus Kaffeearoma und kommenden und gehenden Menschen aktiviert Kreativitätsneuronen im Gehirn des Autors. Und nein, diese wurden bisher noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Sie entsprechen jedoch dem ersten Gesetz der Krea-Existential-Gleichung: „Wenn ich es beschreiben kann, dann existiert es auch!“

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Israel – Make love not war

Meine diesjährige Urlaubsreise führte mich nach Israel, einem Land das voller scheinbarer Gegensätze ist. Nach meinem Besuch dort sehe ich in diesen aber vor allem eines: Die Vielfalt allen Lebens.

Aufgrund der schwierigen politischen Lage musste ich mir im Vorfeld natürlich eine Menge Scherze über meinen neu erwachten Sinn für Abenteuer-Reisen anhören. Und bei allen Späßen war mir selbst auch nicht so ganz wohl mit meinem Reiseziel. Aber wenn man daheimbleibt, erlebt man ja nichts – und das wäre wirklich schade; also packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg ins heilige Land.

Das war eine Entscheidung, die ich nicht eine Sekunde bereut habe. Denn eines kann ich bereits hier vorwegnehmen: Israel ist, abgesehen von seiner kulturellen und geschichtlichen Rolle, insofern eine Reise wert, weil man das dortige Lebensgefühl niemals von der eigenen Couch aus wird begreifen können.

Wie die meisten Menschen hatte ich meine Meinung über dieses Land, denn in Deutschland ist Israel immer ein Hauptnachrichten-Thema. Bei aller, sicherlich gut recherchierten, Berichterstattung, kann jedoch nichts das eigene persönliche Erleben ersetzen. Der distanzierte Blick aus der Entfernung mag vieles durchaus deutlich erkennen lassen, z. B. die Ungleichbehandlung seiner Bürger und der Wahnsinn des ständigen Unfrieden-Zustandes. Um eine Kultur aber wirklich verstehen zu können, muss man sich jedoch trauen nah heranzugehen.

In Israel kann man auf Schritt und Schritt nur staunen. In meinem ersten Hotel gab es beispielsweise es einen Schabbat-Aufzug, der hält in jedem Stockwerk, damit gläubige Juden an diesem Tag keine Arbeit verrichten (Knöpfe drücken) müssen. Das Problem mit dem Drücken der Knöpfe sorgte auch dafür, dass ich am Schabbat auf meinen heiß geliebten Cappuccino verzichten musste. Dafür habe ich an diesem Tag beim Araber um die Ecke die leckersten Falafel meines Lebens gekostet. Durch die vielen Kulturen, aus denen die Bürger Israels eingewandert sind, ist die israelische Küche von einer sehr großen Vielfalt. Ein Umstand, den ich sehr zu schätzen wusste.

Ich war während des Segens zum Laubhüttenfest inmitten zehntausender Menschen auf dem Tempelberg und habe versucht in dem Gedränge keinen der orthodoxen Juden zu berühren, denen diese Berührung untersagt ist. Nun, auch wenn die ehrliche Absicht da war, war dies ein ehrlich gesagt nahezu unmögliches Unterfangen. Als ein Kind mir auf den Fuß trat und ich mit einem „Autsch“ reagierte, musste ich feststellen, dass sein Vater mich zwar nicht berühren aber grob anschnautzen darf. War definitiv mein Fehler, dass mein ungläubiger Fuß seinem Sohn im Weg war. Ja, wenn die Nerven blank liegen, ist es meist nicht weit her mit aller Heiligkeit, das haben wohl die Anhänger alle Religionsgemeinschaften gemein. Höflichkeit wird in Israel sowieso etwas anders verstanden als hier, manchmal ist durchaus auch Durchsetzungsvermögen gefragt. Wenn man das akzeptieren kann und an gegebener Stelle auch mal zurückschimpft, ohne sich stressen zu lassen, kommt man allerdings gut zurecht.

Wie immer plauderte ich ungeniert und begeistert mit Menschen aller Gesellschaftsschichten und Weltanschauungen, die meinen Weg kreuzten. Ich stieß auf eine Vielfalt an faszinierenden, liebenswerten und interessanten Leuten. Ich suchte das Trennende und das Verbindende. Letztlich beeindruckte und erstaunte mich, dass all die unterschiedlichen Menschen der verschiedenen Gesellschaftsgruppen (und nirgendwo gibt es ein undurchsichtigeres Gewirr an kulturellen Nischen) sich in einem einig waren: „Wir können doch einfach friedlich zusammenleben. Wir alle wollen unseren Lebensunterhalt verdienen und unsere Familien sicher sehen.Ich habe nichts gegen die anderen.“
Die große, überwiegende Mehrheit an Menschen scheint sehr vernünftig und friedlich zu sein. Trotz der stets vorhandenen Spannungen. Allerdings genügen einige wenige Extremisten, um die Mehrheit der konstruktiv denkenden Menschen in einen Ausnahmezustand zu katapultieren.

Denn in der Zeit, als ich dieses Land besuchte und in den Tagen danach eskalierte die Gewalt wieder einmal. Einerseits hatte ich mich in dieses Land und seine Leute verliebt, andererseits war ich froh als ich weder im sicheren Deutschland war. Wir wissen gar nicht, wie gut es uns hier geht, wo wir nicht ständig mit dem Ausbruch von Terror und Gewalt rechnen müssen. Dieser Umstand der ständigen Bedrohung prägt die allgemeine Stimmung in Israel doch gewaltig.

In Israel wurde mir das ganze Ausmaß des grundsätzlichen menschlichen Wahnsinns deutlich bewusst. Das was sich dort tagtäglich wiederholt, ist die Geschichte von Kain und Abel in unendlichen Variationen. Jeder glaubt sich im Recht, aber jenseits aller Rechtfertigungen, bleibt eines ein unumstößlicher Fakt: Wer Gewalt ausübt hat immer Unrecht.
Shalom Israel. Ahava.

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