Anja als Glückspilz – kulinarisch verwöhnt ins Wochenende

Mein rechter Ellbogen zickt seit gestern herum. Keine Ahnung, wieso er das macht, aber gemeinsam mit den für Freiburg angekündigten 34 Grad empfand ich das als deutliche Aufforderung meines Körpers, früh ins Wochenende zu starten. Und da kochen unter diesen Umständen viel zu schmerzhaft und anstrengend gewesen wäre, habe ich einen Gutschein eingelöst, den ich vor Kurzem bei einem neuen Internetportal meines Stadtteils, dem http://rieselfeld.biz/, gewonnen habe. Wenn Ihr auf den Link geht, seht Ihr mich unter „Die Gewinner der Verlosung vom 09.05.2015“. Die sympathische Dame an meiner Seite ist die Chefin vom „Piazza Italia“, bei der Übergabe des Gutscheins, den ich gewonnen hatte.

Dass ich ausgerechnet einen Gutschein für ihr Lokal gewonnen hatte, freute mich besonders, da ich bereits zuvor in den Genuss ihrer leckeren Küche gekommen war. Das „Piazza Italia“ ist nur einen Block von mir entfernt und ich liebe sowohl Pasta als auch italienisches Eis. Grund dafür dürfte sein, dass meine Mutter eine sehr gute Köchin ist und einige Jahre in Italien gelebt hatte. Zusätzlich hatte ich früher eine sizilianische Schulfreundin. Insofern bin ich ein bisschen anspruchsvoll auf diesem Gebiet.

Ich suchte mir also einen gemütlichen Schattenplatz und die immer gut gelaunte Chefin vom „Piazza Italia“ brachte mir einen leckeren Vorspeisenteller und später sogar noch Pizzabrot, das sie gerade frisch für sich selbst gebacken hatte. Ich fühlte mich nach allen Regeln der Kochkunst verwöhnt und startete strahlend und zufrieden in mein Wochenende. Ich wünsche Euch allen ebenfalls einen tollen Start ins Wochenende, lasst es Euch gut gehen und genießt die schönen Sommertage.

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Die Grenze des Wohlstands – Schweizbesuch

Ich war das letzte Wochenende in der Schweiz. Nein, ich besitze weder ein geheimes Bankkonto noch habe ich das Nachbarland besucht um einen Schokoladen-Großeinkauf zu starten.

Der Grund für meine Reise war viel gewöhnlicher: Ich habe meine Mutter besucht, die in den 80er Jahren der Liebe wegen ins Land der Rösti auswanderte.

Durch diese amouröse Familienverbandelung habe ich in Laufe von 35 Jahren eine Menge Ferien in der Schweiz verbracht und die Schweiz auch aus der Perspektive der normalen Einwohner kennengelernt. Ich kam nah genug um eine Sichtweise jenseits von Klischees einzunehmen und zugleich blieb ich fern genug, um zu staunen und mich zu wundern.

Ich habe vor allem viele Gegensätze erlebt. Einerseits ist der Schweizer Bürger sehr auf die Einhaltung von Normen geeicht. Was die Nachbarn denken und ob der Gehweg ordentlich gefegt ist, ist dem Durchschnittsbürger unendlich wichtig. Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Ordnung sind eidgenössische Grundtugenden. Gegen die Gründlichkeit der Schweizer sind die Deutschen geradezu nachlässig. Andererseits sind die Schweizer oft erstaunlich lax.

Meine Schweizbesuche haben immer wieder wunderliche und gegensätzliche Erlebnisse mit sich gebracht:

Während das korrekte Füllen eines Abfallsacks zur Staatsaffaire mutieren konnte, erlebte ich zugleich bei einem Tagesausflug zum Genfer Flohmarkt, wie arabische Diplomaten aus dem fahrenden Auto mit einer Pistole auf Passanten zielten. Am frühen Morgen in die suchend herumwandernde Mündung einer Waffe zu starren und zu hoffen, der Irre sei nüchtern genug nicht abzudrücken, machte diesen Genfbesuch zum unvergesslichen Morgengrauen.

Das Wahlrecht bekamen Frauen im Kanton Appenzell erst im Jahr 1990. Zugleich konnte man in den 90ern Hanf als „Duftsäckchen“ getarnt in Geschäften kaufen. Bis heute ist der Besitz von Cannabis zwar offiziell illegal, in der Praxis werden Kiffer für gewöhnlich jedoch nicht strafrechtlich verfolgt.

Ich verfolgte die Diskussion um die seitens der Schweizer Banken unterschlagenen Gelder von jüdischen Nazi-Opfern, ein Punkt, an dem sich die öffentliche Meinung in der Schweiz schied. Und ich sah staunend, dass sich mitten in der Nacht an einer WC-Anlage an der Autobahn brav und unangetastet das Geld für die Toilettenfrau auf einem weißen Porzellanteller stapelte. Dieses Land und das Wertebild der Einwohner waren immer wieder erstaunlich für mich.

Wenn ich in der letzten Zeit in die Schweiz fahre, fällt mir auf, wie sehr der Euroraum auch finanziell immer weiter hinter dem Schweizer Wohlstand zurückbleibt. Die Schweiz hatte schon immer bessere Gehälter gezahlt und somit auch höhere Preise gehabt als in Deutschland üblich. Aber die Schere ging seit Einführung des Euros immer mehr auseinander. Lange Zeit hatte die Schweiz das durch die Bindung des Frankens an den Euro ein wenig abgemildert, aber seitdem die Kluft so groß wurde, dass die Schweiz sich genötigt sah, sich abzukoppeln, um nicht selbst unterzugehen, ist der Unterschied, für jemanden der beide Länder schon lange kennt, einfach nur noch enorm.

In der Schweiz fühle ich mich wie sich wahrscheinlich ein Mensch aus der Dritten Welt in Deutschland fühlt: arm. Das bin ich natürlich nicht wirklich, aber in der Schweiz verdient eine Verkäuferin mind. 52.000 Schweizer Franken (CHF), eine Putzhilfe 55.000 CHF, ein Paketzusteller 58.000 CHF und ein Bademeister 68.000 CHF brutto. Wenn man das nach dem aktuellen Kurs umrechnet, dann wären das ein Jahresgehalt von mehr als 50.000€ für eine Verkäuferin oder Putzhilfe und fast 66.000€ für den Bademeister. Und entsprechend hoch sind in der Schweiz auch die Preise für eine Tasse Kaffee am Bahnhof oder die Miete für eine Wohnung. Wenn ich die umgerechneten Löhne mit den realen Löhnen in Deutschland vergleiche, dann verdienen Putzhilfe, Bademeister und Verkäuferinnen hierzulande real vielleicht die Hälfte dessen, was ihre Arbeit in der Schweiz wert ist. Erstaunlich.

Ebenfalls erstaunlich ist, dass ich in der Schweiz gerade Unterschriften gesammelt werden, um einen Volksentscheid in die Wege zu leiten, der die Geschäftsbanken daran hindern soll weiterhin Geld mittels eines Buchungssatzes aus dem Nichts zu erschaffen. Denn das ist in der Schweiz genauso normal wie in den USA oder Deutschland. Wahrscheinlich werden die nötigen Unterschriften für den Schweizer Volksentscheid nicht mehr rechtzeitig zusammenkommen, aber dass dieser Versuch ausgerechnet in der Schweiz gestartet wird, ist wieder einmal typisch für dieses mich immer wieder überraschende Land. Von diesem Versuch die Geldblasenbildung zu stoppen handelte der Leitartikel einer Zeitung, die meine Mutter mir in die Hand drückte, dem Straßenmagazin mit dem sinnigen Namen „Surprise“.

In einem weiteren Artikel dieser Zeitschrift las ich, dass ein Sozialhilfeempfänger in Zürich Schwierigkeiten hat eine Wohnung zu finden, weil diese nur bis zu 1.100Schweizer Franken (CHF) kosten darf, also nach heutigem Wechselkurs 1.065€. Dazu kommen in der Schweiz als Hilfe zum Leben 960,- CHF, das sind umgerechnet 929€. Von zusammen 2.000€ im Monat für Unterkunft und Verpflegung kann ein alleinstehender ALG II-Empfänger in Deutschland nicht einmal träumen, denn er erhält nicht einmal die Hälfte, was ja auch wieder den hier gezahlten hälftigen Löhnen entspricht. Aber mit diesem Artikel wurde mir noch einmal bewusst wie gewaltig die (Wohlstands-) Grenze ist, die ich am Wochenende zweimal überquert habe.

 

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