Liebe liebt

Liebe ist eines der am meisten missbrauchten Worte auf der Welt. Und es beschreibt zugleich das schönste Gefühl, dessen wir fähig sind.

Wir benutzen das Wort für alles was wir mögen. So kann man Lebensmittel lieben, Entertainment und seine Kunden. Und natürlich verkauft man mehr, wenn man das Wort Liebe benutzt. Dabei sind wir Deutschen kulturell gesehen mit dem Wort Liebe sehr viel sparsamer als der durchschnittliche Amerikaner, der einfach jede positive Emotion mit Liebe gleichsetzt. Aber von feinen, kulturellen Unterschieden abgesehen ist es ein weltweites Phänomen, dass wir kein anderes Wort (außer vielleicht „Gott“) so oft in den Mund nehmen, ohne uns Gedanken zu machen was wir eigentlich damit meinen.

Wir sagen, dass wir etwas oder jemanden lieben, wenn wir etwas wollen: Lebensmittel, Cola, Kunden…oder Sex. Haben wollen ist vieles und es ist normal, aber es ist eines genau nicht, nämlich Liebe.

Und wir alle wollen geliebt werden. Geliebt werden wollen ist auch legitim, aber es ist eben auch eines nicht: nämlich Liebe.

Liebe in ihrer Reinform will nichts und braucht nichts. Sie ist. Liebe liebt. Punkt.

Wenn du wirklich liebst, dann gibt es keine Bedingung an den anderen, er muss nichts bestimmtes sein, haben oder geben um deine Liebe zu verdienen.

Liebe ist unsterblich. Du kannst sie nicht abstellen, nur weil der andere dich nicht liebt oder weil er weggeht oder stirbt.

Wenn wir dann an Liebeskummer leiden, dann ist es wieder nicht die Liebe die leidet, sondern unsere Annahme, dass unsere Liebe hier enden müsse, die Schmerz bereitet. Wir vermögen vieles, aber nicht mit Absicht nicht zu lieben, das widerspricht der Liebe Natur.
Ein großes Missverständnis besteht in Bezug auf den Urheber der Liebe, das ist nämlich nie der andere. Wir sind es, in deren Herzen der Zauber der Liebe stattfindet. Der andere ist nicht Ursache, sondern nur Auslöser. Deswegen geht der andere, aber unsere Liebe nicht. Und egal wie sehr wir leiden, früher oder später werden wir unsere Liebe erneut verschenken, denn: Liebe liebt.

Eines der schönsten Lieder zum Thema Liebe hat kürzlich Xavier Naidoo im Mannheimer Schloß zum Besten gegeben. In diesem Lied drückt er das aus, was ich persönlich unter Liebe verstehe. Xavier Naidoo – Das Prinzip

Aber das ist das Schöne an der Liebe, jeder trägt seine eigene Version davon in sich und niemand braucht Liebe lieben, so wie wie ich Liebe liebe.

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Nicht gut genug!

Ich bin der Überzeugung, dass der Gedanke nicht gut genug zu sein, die Menschheit kollektiv ins Unglück stürzte. In meinem letzten Buch „Werte – Der Wandel sind wir“ beschreibe ich diese Idee sogar als den eigentlichen Sündenfall der Menschheit.

Diese ganz grundlegende Wahrheit bestätigt sich immer wieder in allen nur denkbaren Lebensbereichen.
Ich beobachte so viele Menschen wie sie sich auf Irrwegen verlaufen und Schatten jagen, weil sie einen angenommenen inneren Mangel im Außen befriedigen wollen. Und es ist dabei wirklich völlig egal, ob sie beruflichem Erfolg, Geld oder dem Traumpartner hinterherjagen. Sie treiben sich damit nur ins Unglück.
Mangel kann nur Mangel erschaffen. Die Haltung eines verzweifelten Bettlers kann kein blühendes Königreich erschaffen. Und damit wir uns hier richtig verstehen: Ich habe Bettler getroffen, die freie Könige waren und reiche Menschen, die verzweifelt und einsam in ihrem Reichtum saßen, bereit jeder Illusion zu folgen, die ihnen Glück versprach.

Wenn der Mangel aber eine Lüge ist, jeden Tag milliardenfach wiederholt, dann ist diese so laut geworden, dass die Wahrheit so leise dagegen erscheint.
Ändere das, nur du für dich. Wenn die Idee des Mangels dich zum Bettler macht, dann werde zum König. Jetzt, ab diesem Tag! Nimm einfach einmal die gegenteilige Idee an, dass du so wie du bist vom Leben gewollt bist, einfach weil du sonst ja nicht existieren würdest. Setz dich auf deinen Thron und betrachte dein Leben.
So vieles ist so gut. Du lebst. Du atmest. Du hast zu Essen, Kleidung, Wasser. Du kannst Lesen und verfügst über Freizeit. Du verfügst über persönliche Talente und liebenswerte Eigenschaften. Du bist ein König/eine Königin.
Und dieser bestimmst was in seinem Leben wichtig ist. Nicht dein Chef, dein Nachbar, ein TV-Spot und nicht einmal dein Partner, deine Eltern oder Kinder. In deinem Leben bist du der Boss.

Alles ist gut. Und wenn es nicht gut ist, dann bleibst du dennoch auf deinem Thron. Könige haben Furunkel am Hintern und Königinnen Hängebrüste. Sie sind dennoch der Lenker im Königreich ihres persönlichen Lebens.
Diese scheinbar winzig kleine Änderung der Sicht besitzt die Kraft dein komplettes Leben zu verändern.

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Dankbarkeit

Dankbarkeit scheint ein altmodisches Wort zu sein. Vor allem jedoch scheint das damit verbundene Gefühl sehr aus der Mode gekommen zu sein.
Wir versuchen alle noch mehr zu erlangen: Ein noch ausgefalleneres Urlaubsziel, das noch schönere Haus, die modernere Einrichtung.
Dabei verlieren wir völlig aus den Augen, was wir bereits besitzen. Dankbarkeit ist eng mit dem Gefühl von Wertschätzung verbunden, mit der Fähigkeit Schönes und Gutes anzuerkennen. Es bedeutet dieses zu sehen und seiner Freude über das Erreichte und Vorhandene Ausdruck zu verleihen.
Dankbarkeit kann ganz groß daherkommen, wenn wir voller Überwältigung unser Kind nach der Geburt gesund in den Armen halten oder aber auch ganz leise, alltäglich, z. B. wenn wir genießerisch den Duft einer Tasse Kaffees einatmen. Dankbarkeit geht mit der Fähigkeit zu genießen einher und dafür fehlt uns bei unserer Jagd nach immer mehr oft die Zeit.

Dankbarkeit ist in meinem Leben ein ganz großer Schlüssel. Es gab (und gibt) vieles was ich nicht habe: an Fähigkeiten, Lebensumständen und Besitztümern. Dennoch führe ich ein unendlich reiches Leben. Weil ich die Dankbarkeit eines Tages entdeckte. Nicht die anerzogene, falsche, die man uns als Kinder antrainierte. „Jetzt bedanke dich brav bei Tante Berta!“. Diese aufgezwungene Demut ist unecht und ein Gräuel, der uns von echter Dankbarkeit sogar fernhält. Ich spreche hier über die echte, tief empfundene Freunde, an dem was dieser Moment darbietet.
Daran wie eine Tasse Tee, die eine Freundin reicht, der Schlüssel zum Paradies sein kann. Ich habe diesen, nachdem ich ihn erkannte, nie wieder aus den Händen gelegt. An manchen Tagen bin ich gestresst, dann mache ich zu wenig Gebrauch von diesem Schlüssel, weil mir vor lauter Tun die Zeit fürs Wahrnehmen und Spüren fehlt. Aber das passiert zum Glück immer seltener. An den meisten Tagen finde ich dutzende Gelegenheiten zur Dankbarkeit.

In genau diesem Moment bin ich dankbar, dass ich eine warme Wohnung habe, denn draußen tobt ein kalter Sturm. Ich bin dankbar, dass ich Essen, Kleidung und Strom habe. Ich habe einen kleinen, aber wundervollen Freundeskreis, der mich inspiriert und ermutigt. Ich kenne sehr viele interessante und warmherzige Menschen. Ich habe Zeit mich meiner Leidenschaft, dem Schreiben, zu widmen. Ich freue mich auf die Tasse Tee, die ich genießen werde, wenn ich diesen Blogartikel ins Internet (noch so eine tolle Errungenschaft) eingestellt habe. Ich könnte zwar stundenlang weitererzählen, aber in diesem Artikel geht es ja gar nicht wirklich um mich. Ich schreibe diese Zeilen für dich, der du das liest. Ich überreiche dir diesen Schlüssel zu kleinen Glücksinseln im Alltag. Wie sehen die deinen aus? Mich interessiert, was du mit dem Wort Dankbarkeit verbindest. Ich würde dich gerne inspirieren, zu spüren und mitzuteilen, wofür du Dankbarkeit empfindest.
Ich werde dir dankbar lauschen….

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Bildquelle: unsplash/David-Mao

Wahre Freiheit

Freiheit ist immer eines meiner großen Themen im Leben gewesen. Sie ist einer meiner zentralen Werte. Aber was bedeutet Freiheit eigentlich? Freiheit wovon? Und gibt es Freiheit überhaupt?

Ich habe zwei scheinbar widersprüchliche Thesen zum Thema, die sich aber gar nicht widersprechen, sondern ergänzen.

1. These: Du kannst gar keine Freiheit erlangen.

Ich habe gerade ein breites Grinsen im Gesicht, weil ich innerlich bereits Einige von Euch empört aufheulen höre.

Natürlich kann man Freiheit erlangen, das wäre ja noch schöner!

Es tut mir leid, falls ich jemandem gerade auf die Füße getreten bin, aber leider ist das notwendig. Wir können deshalb keine völlige Freiheit erlangen, weil wir immer von anderen abhängen. Jeder von uns, und sei er noch so autark, ist Teil eines gigantischen Netzwerks, genannt Leben. Deren einzelnen Teile sind auf Kooperation angelegt. Innerhalb dieses gigantischen Netzwerks nimmst Du und gibst Du permanent. Du kannst gar nicht existieren, keinen Atemzug machen, ohne an diesem Netzwerk teilzuhaben. Wenn Du aber an einem Netzwerk teilhast, wie kannst du dann Freiheit erlangen? Du bist immer auf andere angewiesen. Wenn Du Dich verweigerst, wirst du leiden bis du kooperierst oder du wirst gar sterben.

2. These: Du bist absolut frei.

Wie jetzt? Das widerspricht sich doch?

Ja – und nein!

Wir setzen Freiheit mit Unabhängigkeit gleich. Das ist der Denkfehler. Und solange wir leben, sind wir nie unabhängig. Siehe unter These 1.

Dort fehlt aber ein Satz.

Welcher?

Der, dass Dir nie jemand Deine Freiheit nehmen kann. Sie ist ein inneres Attribut. Du bist Dir ihrer bewusst, dann besitzt Du sie. Oder nicht, dann wirst Du um sie kämpfen, obwohl Du sie bereits besitzt.

Solange Du Deine innere Freiheit nicht erlangt hast, wird keine äußere Befreiung sie Dir schenken können. Es wird immer etwas geben, gegen das Du ankämpfen oder gegen das Du rebellieren wirst. Und wenn das Dein Weg ist, bist Du frei, ihn bis zu Deinem letzten Atemzug zu gehen.

Aber irgendwann, wenn Du genug gekämpft hst, wirst Du verstehen. Du wirst lachen oder weinen, wahrscheinlich sogar beides…und Deine wahre Freiheit erkennen. Die, die Dir nie jemand nehmen konnte: Du wirst verstehen, dass Du jederzeit frei bist zu wählen, welche Verbindungen Du eingehst und wie Du auf deine Lebenssituationen reagieren willst. Und ab diesem Moment wird Dir nie mehr jemand deine Freiheit nehmen können. Jemand wird Dich einsperren können, aber Du wirst immer noch die Freiheit haben, wie Du darauf reagierst. Oder jemand wird Dich töten können. Dann wirst Du immer noch die Freiheit haben, zu entscheiden, wie Du dem Tod entgegen trittst.

Ich bin mir sicher, die großen Freiheitskämpfer haben genau das gewusst. Das war das Geheimnis ihrer Stärke. Deswegen besaß ein Gandhi die Kraft, die Briten in die Knie zu zwingen.
Und Martin Luther King war sich durchaus dessen bewusst, dass er sein Leben riskierte. Er hatte einen Traum, aber er war dennoch Realist. Wie reagierte er auf seinen wahrscheinlichen Tod? Er betete um die Kraft, dem Tod mutig entgegenzutreten. So denkt nur ein Mensch, der weiss, dass er in sich die Freiheit bereits besitzt – und der seine ultimative Wahl getroffen hat.

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Bildquelle: unsplash

Zweifache Silvesterfeier

Da ich mich aktuell gerade in den Vereinigten Staaten aufhalte, werde ich heute gleich zweimal das Neue Jahr begrüßen. Einmal werde ich hier gedanklich mit all denen anstoßen, die mir innerlich nahe sind, aber körperlich weit weg in Deutschland feiern. Diese starten für mich hier um 4h nachmittags ins Jahr 2016. Irgendwie fühlt sich das lustig an, dass meine Lieben daheim dann ein anderes Jahr schreiben werden, als ich hier.
Aber nur für 8 Stunden. Dann werde ich hier nochmals den Jahreswechsel begehen. Die Amerikaner haben dabei den Brauch etwas symbolisch fallen zu lassen . In New York wird dabei beispielsweise der Times Square Ball, eine große beleuchtete Kugel, langsam herabgelassen. Ähnliches findet in vielen Städten statt. Dazu erklingt das Lied Auld Lang Syne, dass ich sowieso liebe und deshalb inbrünstig mitgröhlen werde.

Die symbolische Geste des „Drop Ball“ hat mich inspiriert, weshalb ich das Loslassen für mich in meine persönlichen Neujahrsbräuche aufnehmen werde.

Wir alle haben immer wieder viele Vorsätze fürs Neue Jahr. Ich werde mir diesmal vor allem eines Vornehmen: Das zu beenden, das mir schadet. Was auch immer es sein möge. Darüber habe ich in den kommenden Stunden noch genug Zeit mir Gedanken zu machen. Was in meinem Leben dient mir nicht mehr? Was hält mich zurück? Das ist einfach und schwer zugleich. Denn oft dienen uns auch Dinge, die uns schaden.

Solange ich z. B. keinen Weg gefunden hatte, mit Stress umzugehen und nicht den Mut hatte auch einmal unbequem zu sein, stellte ich mich z. B. jahrzehntelang mit Nervengift selbst ruhig. Ich war damals seit langen Jahren Kettenraucherin gewesen und jeder Versuch aufzuhören scheiterte. Aufhören konnte ich erst, als ich gesundheitliche Probleme bekam und mir klar wurde, dass keine Beruhigung der Welt es wert war, mich zu zerstören.
Denn eines ist auch klar: Wir können nicht etwas loslassen, weil wir das sollten, sondern es wird nur gelingen, wenn der Schmerz des Festhaltens größer ist, als die Angst vorm Loslassen. Dinge, die uns schaden, geben uns zugleich oft ein vermeintliches Gefühl der Sicherheit. Jemand hat das Festhalten an schädlichen Dingen einmal mit dem Umklammern eines glühenden Stücks Kohle gleichgesetzt. Manchmal fällt es nicht leicht die schmerzende Faust zu öffnen. Ich weiss nicht mehr, wer dieses Bild benutzte, aber es liegt etwas Wahres darin.
Seid also gut zu Euch und nehmt nur das mit ins Neue Jahr, was Euch weiterbringt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen leichten und entspannten Übergang in ein erfülltes und glückliches Jahr 2016.

Eure Anja

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Bildquelle: Denise_pixelio.de

Frohes Weihnachtsfest

Ich habe keine Ahnung woran es liegt, aber mir ist dieses Jahr so gar nicht weihnachtlich zumute. Vielleicht liegt´s am sonnig-warmen Wetter hier in Freiburg, wo bei frühlingshaften 16 Grad die Vögel zwitschernd durch die Bäume toben und eine verirrte kleine Biene an meinen Christrosen naschte. Das verwirrt die eigene Vorstellungswelt.
Ich frage mich, wie es „down under“, auf der Südhalbkugel wohl mit dem Weihnachtsfeeling bestellt sein mag, wenn Sonnencreme und Sandstrand die Schneemänner ersetzen. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und in seinen Stimmungen von der Umgebung abhängig.
Vielleicht handelt es sich aber auch um einen Anpassungsprozess, schließlich habe ich schon immer propagiert, dass das ganze Jahr Weihnachten sein sollte, weil ich Großzügigkeit, Freude und Herzenswärme für Grundqualitäten des Lebens halte. Wenn man diese täglich lebt, fällt Weihnachten gar nicht mehr so sehr aus dem Rahmen. Schöne Augenblicke sind sowieso das wertvollste Geschenk, das wir uns und anderen machen können.
Ich hoffe Ihr habt von diesen wertvollen Momenten jede Menge in Eurem Leben und genießt die Weihnachtsfeiertage für eine besinnlich-schöne Auszeit vom Alltag. Seid friedlich und fröhlich und genießt die Zeit mit Euren Lieben. Frohe Weihnachten für alle.

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Weihnachtswünsche

Wir haben in den letzten Jahren einen neuen Weihnachtsbrauch in meiner Familie eingeführt:
Wir schenken manchmal Dinge, von denen wir nicht unmittelbar selbst profitieren.

Letztes Jahr habe ich Bienenvölker in Äthiopien und Bäume im Kongo verschenkt.

Und genau so etwas wünsche ich mir dieses Jahr zu Weihnachten. Denn die üblichen Dinge, die ich mir früher immer gewünscht habe, wie Bücher oder CD´s, erscheinen mir nicht mehr wichtig. Ich habe einen Stapel an ungelesenen Büchern für den ich eine fünfjährige Auszeit brauchen würde. Obendrein bin ich in einer Lebensphase, wo ich mich eher von Dingen trenne, als mir noch mehr zuzulegen, das der Pflege bedarf.

Warum ich das hier erzähle? Weil ich hoffe, ein paar Leute zu inspirieren. Natürlich soll niemand auf Dinge verzichten, die er sich wirklich von Herzen wünscht. Ich selbst bin ein riesiger Weihnachtsfan. Ich liebe es, Menschen einen Wunsch zu erfüllen und es gibt kaum etwas Schöneres, als die strahlenden Augen eines geliebten Menschen, wenn er sich über ein Geschenk freut.

Aber Hand aufs Herz: Schenken wir nicht oft genug Dinge aus einer Verlegenheit heraus? Eben weil Weihnachten ist und uns gerade nichts wirklich Passendes einfällt? Wie viele Socken, Krawatten. Pralinen und Halstücher braucht ein einzelner Mensch wirklich?

Wie wäre es also damit, jemandem ein Stück Hoffnung und Zukunft zu schenken? Am Besten etwas, das dem Geschmack und den Werten des Beschenkten entspricht.

Für diejenigen, die Anregungen für ein Geschenk suchen:
Bei Oxfam gibt es tolle Ideen zu Weihnachten (zum Beispiel die Bäume oder Bienenvölker).
Auch auf Crowdfunding-Seiten findet sich etwas passendes für jeden Geschmack. Von kulturellen Projekten über Umweltschutz oder neue Erfindungen ist garantiert für jeden Beschenkten etwas Interessantes etwas dabei. Ich stehe zum Beispiel auf Indigogo.
Für viele der dortigen Kampagnen gibt es auch Perks. Das sind kleine Geschenke als Dankeschön für die Förderer.

Diese Geschenke sorgen sicherlich für Überraschungen, Diskussionen….und sie schaffen die Zukunft, die wir uns für die Menschen, die wir lieben, wünschen.

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Die Armee des Bösen

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Zur Zeit scheint die ganze Welt zu spinnen. An allen Ecken und Enden der Welt brodeln Konflikte und prallen Weltanschauungen aufeinander. Vor lauter Meinungen und Anschauungen kann einem nur noch der Kopf schwirren. Zu leicht verirrt man sich dabei in den Details der Streitigkeiten, lässt sich vereinnahmen von einer Gruppe und bekämpft die Ansichten der anderen.

Und an diesem Punkt wird man selbst zum Übel.

Jeder, wirklich jeder! der für seine Meinung gegen einen anderen kämpft, und sei es verbal, ist zum Botschafter des Bösen geworden.

Denn nicht die verschiedenen Meinungen und Weltanschauungen sind der Feind. Nein, der Feind wohnt in unseren eigenen Herzen. Sein Name ist Angst und er hat tausend Gesichter. Jedes Mal, wenn diese Angst sich in uns regt, dann sind wir bereit dafür zu kämpfen, dass wir Recht haben und „die Anderen“ unrecht. „Die Anderen“ nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg, bringen uns ihre Kultur in unser Land und konkurrieren mit uns um Ressourcen. Und „die anderen“ denken von dir genau das gleiche. Und während du denkst einen gerechten Kampf zu kämpfen, kämpfen der andere und du in Wirklichkeit für den gleichen Herrn, denn Ihr seid dann beide der Armee des Bösen beigetreten.

Der wahre Feind ist nie der Andere. Der andere ist einfach nur anders. Sein Anderssein ist kein Problem. Deine Angst vor dem Anderen und deine Bereitschaft ihn zu bekämpfen ist das Problem.

In Wirklichkeit sind die verschiedenen Konfliktparteien gar keine Feinde. Sie alle sind sich zu verdammt ähnlich! Alle sind bereit gegen den Anderen zu kämpfen. Leider sind sie nie bereit konstruktive Lösungen zu suchen. Lösungen, die dem anderen sein Anderssein gestatten ohne sich selbst von ihm verbiegen zu lassen. Alle Konfliktparteien auf der Welt sind in Wirklichkeit Glaubenskriege. Es geht immer darum den eigenen Glauben, die eigene Weltanschauung einem anderen aufdrängen zu müssen. Und jede Konfliktpartei beweist dabei nur eines: Sie hat Angst ihre Sache sei nicht stark genug. Aber diese Stärke erlangt man nicht, indem man den Anderen schwächt und bekämpft.
Die eigene Stärke erlangt man nur, indem man seine eigenen Weltanschauungen lebt und für sie eintritt.

Wenn man für seine eigenen Werte eintritt, braucht man nie die Grenzen des anderen zu überschreiten, man muss ihn nie ins Unrecht setzen. Wenn das wofür du eintrittst in sich Stärke besitzt, dann brauchst du keine Angst zu haben, dann brauchst du keinen Kampf. Dann und nur dann hast du gewonnen, gegen unser aller Feind. Nur dann wird es Sieger geben, nämlich uns alle. Und dieser Sieg ist der einzige der zählt, weil nur dieser uns eine Zukunft schenkt.

NaNoWriMo – Vorbereitungen für die Wortschlacht

Am 01.11., um genau eine Minute nach Mitternacht geht es los: Der NaNoWriMo (National Novel Writing Month) 2015 startet. Hunderttausende Menschen weltweit vereinen sich für einen Monat zu einer verschworenen Gemeinschaft, die nur ein Ziel kennt: die 50.000 Worte schreiben, die einen zum NaNo-Gewinner machen.
Für dieses Ziel geben die Teilnehmer alles. Sie zetteln sogar Kriege an, sogenannte WordWars. Gewinner ist, wer die meisten Worte in einer vereinbarten Zeit schafft.
Die Autoren gehen über Leichen; manche Autoren vergleichen untereinander, wer mehr Menschen literarisch um die Ecke gebracht hat. Wie im echten Leben zählen dabei Einzelschicksale, beispielsweise getötete Kinder oder Welpen mehr als völlig ausgelöschte Landstriche. In nach Ländern bzw. Sprachgruppen unterteilten Forenbereichen diskutiert man über Sinn und Unsinn von Nebenfiguren und die passenden Schauplätze für das angerichtete Grauen. Man überlegt wie man die tragisch Liebenden miteinander vereinen könnte. Oder man erzählt sich Witze und hält sich vom Schreiben ab. Wer jetzt Lust zum Schreiben bekommen hat, kann sich hier anmelden: http://nanowrimo.org/
Und natürlich könnt Ihr mich auch gerne kontaktieren, falls Ihr Orientierungshilfe braucht.

Die teilnehmenden Autoren unterscheiden sich vor allem in einem: Entweder sie sind Plotter, die die gesamte Handlung bis ins kleinste Detail bereits entwerfen oder sie sind intuitive Schreiber, die sich hinsetzen und einfach wild drauflos schreiben. In der Realität existieren natürlich alle möglichen Arten von Zwischentypen.
Obwohl ich eine Vertreterin des intuitiven, freien Schreibens bin, rate ich dennoch dazu sich vorher Gedanken über die wichtigsten Eckpunkte zu machen:
Welche Art von Geschichte will ich schreiben? Auf welche Weise will ich sie erzählen? Sartirischer Zombieroman oder tragisches Weltraumabenteuer?
Die Hauptidee der Geschichte, der Ausgangspunkt, das Ziel der Geschichte und einige wichtige Schlüsselszenen, Wendungen der Geschichte sollte man bereits im Hinterkopf haben. Das hilft, damit man sich unterwegs nicht verirrt.
Dennoch bleibt der Prozess des Schreibens immer auch einer des Entdeckens. Jedes Buch entwickelt während des Entstehungsprozesses eine Art Eigendynamik.
Bücher können sich während des Schreibens als widerspenstig, herausfordernd oder vereinnahmend erweisen, so als besäßen sie eine Seele.

Ansonsten besteht ein wichtiger Teil der Vorbereitungen darin, in den nächsten Tagen die Wäsche zu waschen, die Wohnung aufzuräumen und Vorräte einzukaufen. Während des NaNo´s sind all diese Tätigkeiten unnötige Ablenkungen und Zeitfresser.
Achja, den Freundes- und Verwandtenkreis sollte man noch rechtzeitig benachrichtigen, dass man für Krisen und Kaffeekränzchen gleichermaßen unerreichbar ist. Des Weiteren muss man die genannten Personen darauf vorbereiten, dass diese Anzeichen von Wahnsinn oder Verwahrlosung beim Schriftsteller getrost ignorieren können. Dieser wird am 1. Dezember nach Zimt und Vanille duftend, entspannt lächelnd, unterm Adventskalender auftauchen.

Achja, wer es sich leisten kann sucht sich ein nettes Café zum Schreiben. Davon abgesehen, dass man sich dafür anziehen und die Wohnung verlassen muss (Bewegung hilft gegen absterbende Gliedmaßen), gibt es in Kaffeehäusern Getränke und kleine Speisen, ohne dass man für deren Zubereitung wertvolle Zeit verlieren oder anschließend um Geschirrberge herum Slalom laufen müsste. Ich habe keine Ahnung voran es liegt, aber die Kombination aus Kaffeearoma und kommenden und gehenden Menschen aktiviert Kreativitätsneuronen im Gehirn des Autors. Und nein, diese wurden bisher noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Sie entsprechen jedoch dem ersten Gesetz der Krea-Existential-Gleichung: „Wenn ich es beschreiben kann, dann existiert es auch!“

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Israel – Make love not war

Meine diesjährige Urlaubsreise führte mich nach Israel, einem Land das voller scheinbarer Gegensätze ist. Nach meinem Besuch dort sehe ich in diesen aber vor allem eines: Die Vielfalt allen Lebens.

Aufgrund der schwierigen politischen Lage musste ich mir im Vorfeld natürlich eine Menge Scherze über meinen neu erwachten Sinn für Abenteuer-Reisen anhören. Und bei allen Späßen war mir selbst auch nicht so ganz wohl mit meinem Reiseziel. Aber wenn man daheimbleibt, erlebt man ja nichts – und das wäre wirklich schade; also packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg ins heilige Land.

Das war eine Entscheidung, die ich nicht eine Sekunde bereut habe. Denn eines kann ich bereits hier vorwegnehmen: Israel ist, abgesehen von seiner kulturellen und geschichtlichen Rolle, insofern eine Reise wert, weil man das dortige Lebensgefühl niemals von der eigenen Couch aus wird begreifen können.

Wie die meisten Menschen hatte ich meine Meinung über dieses Land, denn in Deutschland ist Israel immer ein Hauptnachrichten-Thema. Bei aller, sicherlich gut recherchierten, Berichterstattung, kann jedoch nichts das eigene persönliche Erleben ersetzen. Der distanzierte Blick aus der Entfernung mag vieles durchaus deutlich erkennen lassen, z. B. die Ungleichbehandlung seiner Bürger und der Wahnsinn des ständigen Unfrieden-Zustandes. Um eine Kultur aber wirklich verstehen zu können, muss man sich jedoch trauen nah heranzugehen.

In Israel kann man auf Schritt und Schritt nur staunen. In meinem ersten Hotel gab es beispielsweise es einen Schabbat-Aufzug, der hält in jedem Stockwerk, damit gläubige Juden an diesem Tag keine Arbeit verrichten (Knöpfe drücken) müssen. Das Problem mit dem Drücken der Knöpfe sorgte auch dafür, dass ich am Schabbat auf meinen heiß geliebten Cappuccino verzichten musste. Dafür habe ich an diesem Tag beim Araber um die Ecke die leckersten Falafel meines Lebens gekostet. Durch die vielen Kulturen, aus denen die Bürger Israels eingewandert sind, ist die israelische Küche von einer sehr großen Vielfalt. Ein Umstand, den ich sehr zu schätzen wusste.

Ich war während des Segens zum Laubhüttenfest inmitten zehntausender Menschen auf dem Tempelberg und habe versucht in dem Gedränge keinen der orthodoxen Juden zu berühren, denen diese Berührung untersagt ist. Nun, auch wenn die ehrliche Absicht da war, war dies ein ehrlich gesagt nahezu unmögliches Unterfangen. Als ein Kind mir auf den Fuß trat und ich mit einem „Autsch“ reagierte, musste ich feststellen, dass sein Vater mich zwar nicht berühren aber grob anschnautzen darf. War definitiv mein Fehler, dass mein ungläubiger Fuß seinem Sohn im Weg war. Ja, wenn die Nerven blank liegen, ist es meist nicht weit her mit aller Heiligkeit, das haben wohl die Anhänger alle Religionsgemeinschaften gemein. Höflichkeit wird in Israel sowieso etwas anders verstanden als hier, manchmal ist durchaus auch Durchsetzungsvermögen gefragt. Wenn man das akzeptieren kann und an gegebener Stelle auch mal zurückschimpft, ohne sich stressen zu lassen, kommt man allerdings gut zurecht.

Wie immer plauderte ich ungeniert und begeistert mit Menschen aller Gesellschaftsschichten und Weltanschauungen, die meinen Weg kreuzten. Ich stieß auf eine Vielfalt an faszinierenden, liebenswerten und interessanten Leuten. Ich suchte das Trennende und das Verbindende. Letztlich beeindruckte und erstaunte mich, dass all die unterschiedlichen Menschen der verschiedenen Gesellschaftsgruppen (und nirgendwo gibt es ein undurchsichtigeres Gewirr an kulturellen Nischen) sich in einem einig waren: „Wir können doch einfach friedlich zusammenleben. Wir alle wollen unseren Lebensunterhalt verdienen und unsere Familien sicher sehen.Ich habe nichts gegen die anderen.“
Die große, überwiegende Mehrheit an Menschen scheint sehr vernünftig und friedlich zu sein. Trotz der stets vorhandenen Spannungen. Allerdings genügen einige wenige Extremisten, um die Mehrheit der konstruktiv denkenden Menschen in einen Ausnahmezustand zu katapultieren.

Denn in der Zeit, als ich dieses Land besuchte und in den Tagen danach eskalierte die Gewalt wieder einmal. Einerseits hatte ich mich in dieses Land und seine Leute verliebt, andererseits war ich froh als ich weder im sicheren Deutschland war. Wir wissen gar nicht, wie gut es uns hier geht, wo wir nicht ständig mit dem Ausbruch von Terror und Gewalt rechnen müssen. Dieser Umstand der ständigen Bedrohung prägt die allgemeine Stimmung in Israel doch gewaltig.

In Israel wurde mir das ganze Ausmaß des grundsätzlichen menschlichen Wahnsinns deutlich bewusst. Das was sich dort tagtäglich wiederholt, ist die Geschichte von Kain und Abel in unendlichen Variationen. Jeder glaubt sich im Recht, aber jenseits aller Rechtfertigungen, bleibt eines ein unumstößlicher Fakt: Wer Gewalt ausübt hat immer Unrecht.
Shalom Israel. Ahava.

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